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Jeschurun · 1930-05-01 · Heft 5-8 (Mai 1930) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 5-8 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 197 (sequence 15)
Language
German
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Kunst oder Prophetie 197 liches Prinzip, selber fördere und verbreite. Nach Änschauung der Prophetie muß ein Kunstwerk gleichzeitig noch etwas mehr sein: Eine Predigt. Diese Anschauung ist gegenwärtig nicht beliebt. Trotzdem wäre es recht schwer, aus nachjüdischer Zeit viele Dichtungen zu nennen, die, ruhevoll wie Homer, keinen anderen Zweck verfolgen, als eben den, da zu sein, oder, wie Heyse sagt: ,,Zweck? Das Kunstwerk hat nur einen — Still im eigenen Glanz zu ruhn . . Von den ganz großen Dichtern hat wohl nur Shakespeare, aber auch nur mit einigen seiner Komödien, Kunstwerke ohne jeden Nebenzweck geschaffen; vielleicht wäre hier auch Kleist zu nennen. Goethe aber hat in seinen Werken stets, und mit zunehmendem Älter immer mehr, nur Äusdrucksmöglichkeiten für Gedanken, Mittel zur Belehrung und Beeinflussung der Welt gesehen. Vorher gar, seit im Christentum und Islam der jüdische, der prophetische Geist sich die Welt unterwarf, bis zur Revolte der Aufklärung gegen diesen Geist, war der lehrhafte, der erzieherische Zweck eines Kunstwerkes einfachste Selbstverständ-

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