Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 191 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ahasver, der ewige Jude 191 man darauf kam, den Ähasverus gerade zu einem Schuster zu machen. Ich will nun hier, in aller Kürze, beide Fragen behandeln und zu beantworten suchen: Die Benennung Ähasverus taucht zum ersten Mal im Jahre 1602 auf in einer anonymen Schrift, die den Titel führt „Kurze Beschreibung und 'Erzählung von einem Juden mit Namen Ähasverus“. Diese in Deutschland entstandene Benennung Ähasverus ist also verhältnismäßig jungen Datums. Die Sagengestalt selbst ist älter und hieß vorher anders. Sie führte in auBerdeutschen Ländern bildhafte Namen symbolischen Charakters. Das Urbild, aus dem, wie angenommen wird, die deutsche Ähasversage erwachsen "ist, und das zum ersten Male im Jahre 1237 in der Schrift eines englischen Mönchs erwähnt wird, heißt Cartaphilus und wird als Türhüter des Pontius Pilatus bezeichnet. Der Name Cartaphilus wird verschieden gedeutet. Nach Neubaur „Die Sage vom ewigen Juden“ ist er aus dem griechischen Karta philos „sehr geliebt“ entstanden. Wesselowski erklärt ihn, wie ich einem Zitat entnehme, als griechisches Kompositum: Chortophylax d. h. Hüter des Geheges. D. Simonsen in der Breslauer Seminarfestschrift deutet ihn als Chartophylax d. h. Bibliothekar, Archivar, eine sehr geistreiche Deutung, die darauf be*- ruht, daß in der Schrift eines Kirchenvaters die Juden nicht als Beisitzer, sondern nur als Archivare, welche das Testament für die Christen in Empfong genommen hätten, bezeichnet werden. Der in Italien für die Sagengestalt gebrauchte Name ist Johannes Buttadeus d. h. Angreifer Gottes. In Belgien lautet er Josef Lakedem, was wohl mit dem hebräischen Kedem, Osten, zusammenhängt. In Spanien heißt er Juan Espera en Dios d. h. Hoffe auf Gott. Die deutsche Sage dagegen legt der Gestalt keine symbolische Benennung bei, sondern den alten aus der Bibel, besonders dem Buche Esther, bekannten Namen des Perserkönigs Ähasverus. Man hat vielfache Versuche gemacht, zu erklären, wieso man gerade auf diesen Namen verfallen sei. H. C. Andersen sagt in seinem