Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 189 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Schranke 189 Was mir die Feder in die Hand drückt, sind die Beschlüsse, die auf jenem Weltkongreß hinsichtlich jüdischer Ehegesetze gefaßt worden sind. Sinn- und zwecklos ist es, wenn über die Berechtigung der Unlösbarkeit der Ehe in anderen Formen, als sie uns vorgeschrieben sind, Menschen miteinander streiten, die über die Eigenart der schriftlichen und mündlichen Sinaioffenbarung diamentral entgegengesetzt denken. Sinn- und zwecklos sollte aber auch jeder Versuch erscheinen, die Vertreter des überlieferten Judentums zur Anerkennung des religiösen Charakters der Ehen bestimmen zu wollen, die im Gefolge der neu proklamierten Bestimmungen geschlossen sind. Der zahlreichen Schwierigkeiten, die sich — eine Folge des Golus — bei Ehescheidungen heute ergeben, sind wir uns voll bewußt. Und es soll den Männern — die edle Gesinnung vieler ist bekannt — der reine Wille, einer großen Not steuern zu wollen, nicht abgesprochen werden. Sie können nicht bedacht haben, und das schiebe ich auf die mangelnde Einfühlungsfähigkeit infolge der Entfremdung, daß sie das Judentum in eine noch viel größere Not stürzen, dazu zwingen, Äbwehrmaßnahmen zu ergreifen, die auf nicht weniger hinauslaufen, als das connubium unter Juden zu unterbinden. Daß ein Kind aus der neuen Ehe einer Frau, die von einem nicht in den vorgeschriebenen Formen beauftragten Kollegium ihren Scheidebrief erhalten hat, ein Mamser ist, ist sicher auch den Beantragern jener Beschlüsse bekannt. Daß ein solcher Mamser und alle seine Descendenten keine jüdische Ehe mehr eingehen können, und daß das Kind aus einer Solchen Ehe wiederum ein Mamser ist, nicht minder. Wer wird den Bekennern des überlieferungstreuen Judentums das Recht und die Pflicht aberkennen, die Familien als solche zu kennzeichnen, in denen ein Mamser zur Welt gekommen. Im altjüdischen Sinne wird der integre Teil, der eine Ehe mit einem solchen Abkömmling geschlossen hat, für sich und für alle seine nachfolgenden Geschlechter unglücklich. Ich wähle ein anderes Beispiel. Es ist bekannt, daß gerade in neuerer Zeit in liberalen Jugendkreisen eine Hinwendung