Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 186 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Die Schranke losen Wollen sich auf einen Gipfel von dem er nicht zur Erde zurückfindet. Und nun gar unser überlieferungstreues Judentum. In Wahrheit auch hier eine Weitung: Das Wissen vom Ewigen ist ja das Wissen von Seiner Selbstoffenbarung, wie sie in der Thauro gegeben. ארוכה מארץ מדה ורחבה מבי ים• Und andrerseits festgelegt in der seit Jahrtausenden überkommenen אמונה an deren Grundfeste zu rütteln gleichbedeutend ist mit der Aufhebung des überlieferten Judentums. Bindung aber auch im Wollen des Ewigen. Das klingt seltsam. Gibt es eine Grenze in dem Wollen eins zu werden mit Gott? Und dennoch! Soll es nicht in wesenloses Träumen sich verflüchtigen, zur Unfruchtbarkeit verurteilt sein, dann muß es mit dem Irdischen verhaftet, dann muß der Dienst Gottes ein Dienst am Menschen bleiben, darf nicht die Form sprengen, die letzten Endes Gott selbst dem jüdischen Menschen bestimmt: Das Wort des Koheleth: אל תהי צדיק הרבה ואל תתחכם יותר למה תשומם. Ist diese Beschränkung, diese Bindung bloß eine religiöse Forderung? Sie ist ebenso eine sittliche! Was bedeutet Sittlichkeit anderes als eine Schranke sich setzen, eine Schranke, wie gegenüber den Rechten des anderen Men•׳ sehen, so eine Schranke gegenüber dem in seinen Strebungen überquellenden Ich. Und endlich. Sie ist auch in der Natur gegeben. Auch die Bildung der Seele folgt ihren G e s e t ze n. Bildung heißt Formung und Formung ist Beschränkung. Der tropische Urwald ist nur für den Beschauer vom Strome aus ein Gegenstand romantischen Entzückens. Innen bedeutet die Zuchtlosigkeit der überhitzten Triebe Fäulnis und Tod. Und wenn die Zellen eines Organismus regellos wuchernd dem Gesetze ihrer Schranke nicht mehr gehorchen, so bereiten sie ihm den Untergang. Natur, Sittlichkeit, Religion, sie sind Ausstrahlungen Gottes und darum wird auch wohl כביכל in Gott selbst eine