Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 Zur Äguna-Frage ein Problem von größter Tragweite zur Diskussion steht. Es handelt sich nicht nur um die Zehntausende von Frauen, die als Ägunoth ihr Leben vertrauern, obwohl auch diese Tatsache schon die maßgebenden Kreise zu entschiedenen Maßregeln auf rütteln müßte; es handelt sich um die Autorität der Thora. Niemals vielleicht in der jüdischen Geschichte hat die Ägunafrage sich in solcher Schwere offenbart, sind so weite Kreise unseres Volkes unmittelbar von ihr berührt worden; umsomehr erwächst aber für die maßgebenden Instanzen die unabweisbare Pflicht alle Möglichkeiten zu erwägen, wie geholfen werden kann, und dann auch entschlossen die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Auch früher haben außerordentliche Verhältnisse unseren Weisen Veranlassung gegeben, außerordentliehe Anordnungen zu treffen. Die Erleichterungen für die Ägunoth, von denen uns der Talmud berichtet, knüpfen an die Zeit von R. Jehuda ben Baba an. Es war die Periode nach der Niederschlagung des Barkochba-Äufstandes und der Einnähme von Betar. Hundertausende hatten in den blutigen Kämpfen den Tod gefunden, Tausende waren verschwunden, ohne daß eine bestimmte, einwandfreie Zeugenaussage über ihren Verbleib zu erlangen war; und in dieser Lage wurden von den Weisen alle Möglichkeiten geprüft, die auf Grund des Thoragesetzes Erleichterungen für die Ägunoth zuließen und die auch für uns den Ausgangspunkt für die zu ergreifenden Maßnahmen bilden müssen. Für die praktische Anwendung dieser Möglichkeiten geben uns die zahlreichen mrwnder ראשונים underrm^die Anhaltspunkte. Vor kurzem sind unter dem Titel דברים אחדים eine Reihe von תשובות von R. Elia Klatzkin erschienen, die u. a. auch das moderne Ägunaproblem behandeln. R. Elia Klatzkin, der frühere Lubliner רב der jetzt in Jerusalem lebt, ist als Thoragroße bekannt, und seine Ausführungen verdienen deshalb besondere Beachtung. Der Fragesteller ist R. Simcha Selig aus Brisk, selbst ein bedeutender ׳ת״ח der zu dem Gelehrtenkreis des früheren Brisker רב R. Chaim Soloweitschik zählte und von ihm immer zu Rate gezogen wurde. Er weist mit