Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 175 (sequence 81)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293074--11015-2304315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Aguna-Frage 175 Nachschrift. Ich freue mich, daß meine Besprechung auch in Frankreich ein so lebhaftes Echo gefunden und von der Seite eine Berichtigung erhalten hat, an die sie in erster Reihe gerichtet war. Selbstverständlich hat ein Roman nur subjektiven Wahrheitsgehalt von seiten des Äutors (une tranche de vie vue par un temperament), doch sein Stimmungsgehalt ist objektiv. Die Ätmo- Sphäre, die psychische Fremdheit, die scharfen Abgrenzungen von Ost und West treten bei uns in Deutschland höchstens ganz verschämt und vereinzelt nur in Kleinstädten, nicht in den jüdischen Zentren hervor und werden bei uns in der Oeffentlichkeit stark bekämpft. Politisch ist natürlich Frankreich das klassische Land der Toleranz, jedoch gesellschaftlich ist man hier wohl dem Osten näher. Umso erfreulicher ist es, jetzt annehmen zu dürfen, daß derartige Ansichten wie die in dem besprochenen Roman von J. Levg hervortretenden, gegen die nicht scharf genug Stellung genommen werden kann, auch in Frankreich für die Allgemeinheit als überwunden gelten dürfen. Der Ausführung des Rezensenten im ״Foi et Reveil“, daß die ostjudenfeindlichen Aeußerungen des besprochenen Romanwerks nur als scherzhafte Eifersüchteleien von Stammesbrüdern unter sich aufzufassen seien, können wir uns allerdings nicht anschließen. Dr. Armin Blau. Zur Aguna-Frage, Von Dr. Isak Unna. Rabbiner in Mannheim Zu den Problemen, die als eine Folge des Weltkrieges im Judentum sich erhoben, gehört auch die Ägunafrage. Auf dem Frauenkongreß in Hamburg wurde auch diese Frage behandelt, und es war erfreulich zu beobachten, wie dabei die Ächtung vor dem jüdischen Gesetz und der gute Wille eine mit diesem Gesetz in Einklang stehende Lösung zu finden deutlieh zum Ausdruck kam. Die Kenessio Gedaulo der Ägudas Jisroel hat sich ebenfalls mit dem Problem beschäftigt, bestimmte Beschlüsse sind aber, wie es scheint, nicht gefaßt worden. Wir dürfen uns indessen nicht verhehlen, daß hier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.