Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 173 (sequence 79)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293074--11013-2304313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Voll- und Halbjudentum im heutigen Frankreich 173 dern in öffentlichen Versammlungen oder in ernsten Beratungen der dazu berufenen Körperschaften ausgesprochen? Hier in Frankreich ״on appelle un chat un chat“. Äber ich möchte nicht in den Fehler unseres Kritikers verfallen: Man ist nicht dadurch besser, daß man die gleichen Fehler, oder noch schwerere, beim Nachbarn aufzeigt. Ich wollte nur dagegen protestieren, daß ein Roman zur Grundlage genommen wird, um daraus Gesinnungs- und Sittenschilderungen zu geben, die der Wirklichkeit entsprechen sollen. Oder aber sind denn alle die Dinge, die in Deutschland nicht möglich waren oder nicht möglich wären, hier in Frankreich möglich oder wirklich, weil Jacob Levg in einem Roman ״Les Pollaks“ sie so schildert?! Ich möchte es entschieden bestreiten und könnte als Gegenbeweis anführen, wie viel hier für Ausländer getan wird: in Paris, wo die ganze Organisation der jüdischen Wohltätigkeit und der übrigen sozialen Hilfe von der Anwesenheit dieser bedeutenden östlichen Kolonie bestimmt ist; in Lille, wo sie die Majorität der Gemeinde bilden; in Metz und in Strasbourg, wo sie mit Hilfe der offiziellen Gemeinden, sich in eigenen Kehillos organisiert haben. Ich könnte darauf hinweisen, daß viele und hoch angesehene Rabbiner bedeutender Gemeinden aus den Milieus stammen, die nach Blaus Ausführungen nicht das Stiefkind, sondern das Aschenbrödel bei den ״Voll-Juden“ sind. Auch bei uns fällt manch’ hartes Wort, auch hier kommt es einmal zu Reibereien, auch hier müssen einmal vorhandene Mängel gerügt werden, muß einmal eine bittere Pille genommen werden — manchmal aber ist sie medizinisch ״indiciert“ und notwendig. Aber keine maßgebende Stelle hat m. W. das Bruderband zerrissen, das trotz allem und allem die ״Volljuden“ mit den ,,Halbjuden“ verbindet und das durch gegenseitiges Verstehen, die disparaten Teile allmählich zusammenführen soll und zusammenführen wird. In seinem ״Nachsatz“ bringt Herr Dr. Blau zur Stütze seiner Ausführungen das Zeugnis von Redakteur J. Bielinkg aus Paris (so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.