Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsmethode im Talmudunterricht 168 ordentlich belebend und die Unterrichtsarbeit fördernd. Läßt sich der betr. Sachverhalt seiner Natur nach nicht in der Klasse konstruieren, so suche man unter veränderten Voraus- Setzungen einen entsprechenden zu bilden, der sich für die Herstellung in der Klasse eignet. Die Form schließlich, in der der Talmudinhalt geboten wird, scheint auf den ersten Blick gerade in pädagogischer Hinsicht besonders günstig. Was kann geeigneter zur lebensvollen Darstellung einer Gedankenentwicklung sein, als das stufenweise Herausarbeiten in Rede und Gegenrede. Ist das nicht gerade der als ideal angestrebte freie Meinungsaustausch der Schulklasse, den unsere heutigen Reformer, insbesondere die Gruppe um Gaudig, wünschen? Betrachten wir jedoch die Diskussionsform des Talmud genauer, so zeigt sich, daß sie in keiner Weise dem entspricht, was die Arbeitsschule im freien Unterrichtsgespräch anstrebt. Zwar ist seine Diskussion die der lebendigen Auseinandersetzungen in den Talmudhochschulen. Wer hätte nicht gestaunt über die psychologische Naturtreue, lebhafte, scharf-deutliche und zielbewußte Form der Aussprache! Sie trägt untrüglich den Stempel des wirklieh gelebten (nicht produzierten) an sich und wird daher erneut zum Erlebnis. Und doch, es ist nicht das Unterrichtsgespräch der Schulklasse, es ist die scharfsinnige Unterhaitung von gereiften Denkern. Hier gerade zeigt sich die psychologische Schwierigkeit, die wir einleitend hervorhoben. Die Diskussion des Talmud ist eine Diskussion im Abstrakten, sie sieht in den Dingen des Lebens, wo der Gedankengang es erfordert, nur abstrakte Begriffe. Auch der ältere Schüler arbeitet zum großen Teil noch mit psychischen Begriffen, (s. Lehrbuch der pädagogischen Psychologie von A. Stößner, Leipzig 1921, S. 114). Und mag auch Aufgabe des Lehrers sein, den Schüler zu gewöhnen, die psychischen Begriffe in logische zu verwandeln (daselbst S. 120), der Schüler kann nicht spontan so rasch und so scharf abstrahieren, wie die diskutierenden Lehrer des Talmud es fertig bringen (s. Scheibner, II, 1). Man kann dem Schüler wohl, nachdem ihm