Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsmethode im Talmudunterricht 167 die anderen Schüler veranlassen, Gelegenheit zu solchen Erlebnissen zu suchen. Sind einzelnen Schülern vom Landaufenthalt Dinge aus der Pflanzen- und Tierwelt geläufig, landwirtschaftliche Tätigkeiten bekannt, die im Talmudtexte behandelt werden, so lasse man die betreffenden genau berichten, daß deren Erlebnis gewissermaßen von der Klasse miterlebt wird. Man veranlasse auch die Schüler, solche Erlebnisse anzustreben, sei es bei der Wahl des Ferienreiseziels, sei es bei Wanderungen und Spaziergängen. Unter Umständen kann gerade der Besuch einer Ausstellung nutzbringend sein u. dgl. Auch das jüdische Leben der Schüler kann hierdurch zur Erweiterung angeregt werden, indem er veranlaßt wird, in der Sgnagoge, beim Gottesdienst oder sonst im religiösen Leben Dinge zu beachten, die Gegenstand des Unterrichts sind. Auch mancherlei Vorgänge aus dem Rechtsgebahren können Leben gewinnen, wenn der eine oder andere Schüler von Sitten und Gepflogenheiten erzählt, die er an kleinen Orten oder in anderen Ländern kennen gelernt. Bei Durchnahme des Fundrechts z. B. wird der Begriff des Ausrufens gefundener Gegenstände lebensnäher gemacht, wenn der eine Schüler erzählt, wie auf dem Lande eine amtliche Bekanntmachung durch einen Beamten kundgegeben wurde, der an öffentlicher Stelle nach Paukenschlag dieselbe ausrief, oder wenn der andere Schüler von einer Versammlung erzählt, bei der der Vorsitzende bekanntgab, daß dieser oder jener Gegenstand gefunden worden sei. Vielfach wird allerdings die Anknüpfung an das Erlebte auch nur vereinzelter Schüler nicht möglich sein. Da heißt es ein analoges Erlebnis konstruieren, und den Gegenstand in dieser Weise ins Leben der Klasse rücken. Ist z. B. beim Fundrecht die Rede von Münzen, die in bestimmter Anordnung auf dem Boden liegen, von Früchten etc., die in bestimmter Häufung herumliegen, so nehme man Münzen und Früchte und ordne sie in der gewünschten Weise in der Klasse an. Man betrachte diesen einfachen und scheinbar überflüssigen Kunstgriff nicht geringschätzend, er wirkt — auch auf ältere Schüler — außer-