Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 166 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsmethode im Talmudunterrieht 166 Eigentum der Heiligtumsverwaltung, über Reinheit und Unreinheit, das Verhältnis von Mann und Weib etz., so liegen diese Gebiete dem Leben des Schülers völlig fern; sei es, weil sie heute überhaupt nicht Anwendung in der Praxis finden, sei es auch, daß sie nur dem praktischen Leben des Schülers abgelegen sind. Bei der Wahl des Unterrichtsstoffes wird man natürlich nicht gerade einen Abschnitt wählen, der solche Gebiete behandelt, aber es läßt sich bei der Eigenart des Talmud nicht verhindern (will man nicht auf ganz kleine Ausschnitte beschränkt sein), daß dieses oder jenes der erwähnten Gebiete herangezogen und hier und dort mit behandelt wird. Aber selbst bei den Gebieten, die an sich in den Lebenskreis des Schülers gehören, treten andere Momente auf, die den Stoff seiner Erfahrung fernrücken. Hier ist es mangelnde Kenntniss der Tiere und ihrer Lebensweise, das der städtischen Jugend (und um diese handelt es sich im we- »entliehen bei unseren jüdischen Allgemeinschulen) die behandelten Einzelheiten fremdartig erscheinen lassen, dort sind es die modernen Rechts- und Verwaltungsbestimmungen, die die mittelalterliche Verwaltungstechnik dem Schüler fremd machen. Ferner kann es auch die Entwicklung der Technik sein, die den Schüler den im Talmud erwähnten Verhältnissen fremd gegeriöberstehen läßt. Unsere Forderung muß also lauten: e) Die dem Schüler lebensfernen Stoffe des Talrnud lebensnahe machen, sie in seinem Interessenkreis rücken, ihn sie erleben lassen. Zwei Mittel stehen zur Verfügung, um das zu erreichen. Das eine ist, die Anwendung des Durchnahmestoffes auf Ereignisse, die den (im Notfälle auch nur vereinzelten) Schülern aus ihrem Leben außerhalb der Schule geläufig sind, das zweite ist, Konstruktion des Lebens in der Klasse. Häufig wird man im Talmudunterricht Gelegenheit haben, auf dem erst erwähnten Wege sein Ziel zu erreichen. Man muß, wo daß Normalleben der meisten Schüler nicht Anknüpfungsgelegenheit bietet, die Erlebnisse e i n z e 1 n er Schüler zu Hilfe ^nehmen, sie in den allgemeinen Interessenkreis rücken, evtl.