Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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Ärbeitsmethode im Talmudunterricht 164 herausfinden. Die Einübung der Raschischrift geschieht am besten unabhängig davon, z. B. durch Lernen des Raschi-Kommentares zur Bibel, oder allmählich durch gelegentliche Durchnahme einzelner Raschiteile. Insofern dennoch Methoden des Sprachunterrichts in Frage kommen, wird man unter den Unterrichtsmethoden der alten Sprachen Umschau halten müssen. Denn mit diesen müssen wir das Aramäische auf eine Stufe stellen, das seit Jahrhunderten keine in Umgang befindliche Sprache ist. Auch bei diesen Sprachen wird von den heutigen Schulreformern das Sprechen, das Beleben der Sprache gefordert. Entschieden und deutlich spricht dies Dr. Georg Rosenthal in der Broschüre ״Lebendiges Latein (Neue Wege im Lateinunterricht) aus. (37. Heft der Sammlung ״Entschiedene Schulreform usw.a i. A. des B. E. S. herausgegeben von Prof. Dr. Paul Oestreich, Leipzig 1924). Wenn wir seine Forderung auch nicht auf das Aramäische im Talmudunterricht übertragen können, da wir doch einen planmäßigen aramäischen Sprachunterricht ablehnen mußten, so werden wir vielleicht doch etwas davon für das unbewußte Näherbringen der Sprechweise des Talmud — wenn auch nicht der aramäischen Sprache — an den Schüler entnehmen können. Wir lesen da (S. 29) ״Der Ton, der den Wörtern über den bloßen Buchstaben hinaus innewohnt, der Rhythmus, in dem sich die einzelnen Satzteile zusammenfügen, der Charakter der ganzen Sprache offenbart sich doch nur dem Ohre“. Und ebenda weiter: ״Das natürliche Organ für die Aufnahme einer Sprache ist das Ohr, nicht das Auge.“ Soll der Schüler vertraut werden mit der ‘Sprache des Talmud auch ohne daß er aramäischen Sprachunterricht genießt, so werden wir erst recht die natürliche Begabung des Ohres zur Vermittlung einer Sprachkenntnis nebenbei ausnützen und auswerten müssen. Hierzu bietet sich uns beim Talmud ein sehr günstiges Mittel. Es ist der allgemein eingebürgerte Tonfall, der Singsang, der sogenannte ״Nigun“, in dem der Talmud gelernt wird. Er enthält und gibt das Leben der talmudischen Sprache wieder, das Cha-