Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 163 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Ärbeitsmethode im Talmudunterricht 163 derung auf: Vor Beginn des Talmudunterrichtes lerne und lehre man die aramäische Sprache. Daß aber diese For״ derung außerhalb jeder Verwirklichungsmöglichkeit liegt, steht fest. Es erübrigt sich jedes Wort, um nachzuweisen, daß wir unter keinen Umständen auch ein Minimum von Zeit für den Unterricht der aramäischen Sprache aufbringen können. Wollten wir aber die für den Talmudunterricht bestimmte Zeit zunächst dafür verwenden, so würde dieser wieder erst in die Oberstufe gedrängt werden. Es bleibt also nichts an״ deres übrig, als das scheinbar Sinnlose durchzuführen, den Talmud in der unbekannten aramäischen Sprache zu lehren. Die hieraus folgende Konsequenz ist, den Inhalt nicht durch Vermittlung der Sprache zu erarbeiten. Im Gegensatz zu anderem fremdsprachlichen Unterricht lautet hier also die Regel: a) Der Sprachtext ist nicht zu erarbeiten, sondern vom Lehrer zu geben. Das hindert nicht, daß. man an einzelnen Stellen, wo die Ausdrücke aus dem Hebräischen geläufig oder durch Äehnlichkeit leicht erkenn״ bar sind, die Schüler den Text frei erarbeiten läßt. Im Prinzip aber halte man fest, daß durch sprachliche Erarbeitung des Textes in der doch fremden aramäischen Sprache weder Zeit noch Kraft vergeudet werden darf. Der Schüler wird im Laufe der Zeit einen gewissen Wortschatz und eine gewisse Vertrautheit mit der Eigenart der Sprache gewinnen, die ihm im Laufe der Zeit das selbständige Talmudstudium eririög״ liehen werde. Die meisten Talmudkenner der letzten Jahr״ hunderte, wenn nicht überhaupt, sind wohl auf diesem Wege zum Ziele gelangt. Auch meide man sonstige Sprach״ und Schriftschwierigkeiten. Ist dem Schüler die Raschi״Schrift nicht geläufig, so hüte man sich vor Zeitverlust durch Ein״ Übung des Kommentartextes. b) Man verzichte bei den Anfängern getrost auf den Text des Raschi״Kommentares und gebe dessen Inhalt auswendig, bzw. lasse ihn aus dem Talmudstoff