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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 162 (sequence 68)
Language
German
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Ärbeitsmethode im Talmudunterricht 162 ner Art, daß er auch im Älter nicht davon abgehe“ hat diese auch zum Leitmotiv jüdischer Erzieher gemacht. Dennoch meine ich, es gäbe auch hier Ausnahmen. Eine Beeinflussung der Kindesseele durch eine ihrer Eigenart fremde Form der Erziehung, birgt ohne Zweifel große Gefahren in sich, kann Verbildung statt Bildung der Seele zur Folge haben. Handelt es sich aber um den Intellekt, um eine Beeinflussung der seelischen Verfassung in Richtung des Verstandes, so kann sie auch heilsam sein, wenn sie mit Maß und in riehtiger Weise erfolgt (der Talmudunterricht kommt doch nur für Knaben in Frage). Vielleicht haben wir die Reihe jüdischer Geistesgrößen der verschiedensten Zeiten dieser einseifigen Belastung unserer Erziehung zu verdanken. Sind andererseits die nachteiligen Folgen dieser Erziehung, die sich in der späteren Geschichte der Juden gezeigt haben, vielleicht nur Folgen der Uebertreibung, wie auch Folgen der Vernachlässigung anderer Erziehungspflichten. Wie schreien doch die heutigen deutschen Schulreformer nach dem ,,Denken“. Wie fordert H. Gaudig ,,Denk-Gesinnung, Denk-Lust, Denk-Willen, Denk-Leidenschaft, Denk-Kunst und Denk- Technik“ (H. Gaudig, Schulreform? Gedanken zur Reform des Reformierens, Leipzig 1920, S. 36), wie wird sie in den jetzigen Generationen vermißt. Jedenfalls stehen bei geeigneter Unterrichtsform die erzieherischen Vorteile des Talmudunterrichts den psychologischen Nachteilen mindestens gleichwertig gegenüber. Nun aber zu den Schwierigkeiten, die der Talmudtext und -Stoff dem Pädagogen bieten. Es sind dreierlei: Schwierigkeiten der Sprache, des Inhalts und der Form. Die Sprache des Talmuds, das Aramäische, ist — trotz ihrer Verwandtschaft mit der hebräischen Sprache — ein dem Schüler fremdes Gebiet. Wir erleben hier das Paradoxe, daß ein Lehrstoff unterrichtet wird, der in einer dem Schüler unbekannten Sprache geschrieben ist. In den meisten Fällen beherrscht auch der Lehrer die Sprachlehre des Aramäischen nicht. Dies erscheint als pädagogischer Unfug und stellt folgerichtig die For-

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