Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293074--11001-2304301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ürbeitsmethode im Talmudunterricht 161 der älteren und neuesten Psychologie findet. Die amtlichen ״Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preu- Bens“ bezeichnen daher die Oberstufe als Stufe der gedankliehen Durchdringung im Gegensatz zur Mittelstufe (Stufe des anschaulichen Verständnisses) und Unterstufe (Stufe des naiven Erlebens). Es sei zugegeben, daß der Einwand zu recht besteht, der Stoff des Talmuds sei der Seele des Schülers der Unter- und Mittelstufe nicht angemessen. Wir würden jedoch unser Ziel vollends verfehlen, wenn wir den Talmudunterricht in die Oberstufe der höheren Schule verbannten. Der Mehrzahl jüdischer Schüler und jüdischer Schulen ginge damit dieser Unterricht verloren. Es wäre also gleichbedeutend mit der Streichung des Talmudunterrichtes. Wir aber müssen in Anbetracht des weitgesteckten Zieles den Talmudunterricht spätestens in der Tertia beginnen, dies dürfte heute auch die Praxis der jüdischen Schulen sein. Um den Stoff für die Aufnahme in die Kindesseele brauchbar zu machen, müssen wir ihn zunächst in eine ihr zusagende Form bringen. Dafür soll einiges Methodische in den weiteren Ausführungen vorgeschlagen werden. Den Gedanken i n h a 11 selbst werden wir ihr freilich nicht ersparen können. Dieser aber ist durchaus nicht fremd der Seele des Kindes. Selbst das Kind der Unterstufe, gewiß aber das der Mittelstufe, nimmt eine folgerichtige Gedankenreihe auf und hat Freude an der Folgerichtigkeit. Bedingung ist nur, die angemessene Form in der der Gedankengang geboten wird. Der Gedankengang muß so geformt werden, daß er, um mit Spranger zu sprechen, in die ,,Struktur“ der Kindesseele hineinpaßt, und daß umgekehrt der Seele des Schülers das ״sinnvolle Eindringen“ in die theoretische Materie ermöglicht wird. Dann aber möchte ich hier noch eine pädagogisch-ketzerisehe Bemerkung anfügen. Die Forderung der Pädagogen nach Naturgemäßheit des Unterrichtsstoffes, nach Anpassung an die Seele des Kindes, ist pädagogische Binsenwahrheit. Der salomonische Ausspruch: ״Erziehe den Jugendlichen nach sei- 5