Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 160 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsmethode im Talmudunterricht 160 barkeit. Von Stellen, denen Talmudkenntnis ohne Zweifel selbstverständliches Rüstzeug des jüdischen Menschen gilt, wird schon der Vorschlag gemacht, die jüdische Schule sollte sich mit dem Unterricht der Bibel (Tenach) begnügen und unter Ueberwindung des Prestige-Gesichtspunktes den Talmudunterricht den privaten und außer der Schule stehenden Institutionen überlassen, von denen interessierte Familien von sich aus Gebrauch machen werden. Hoffen wir, daß es gelingt, auf dem Wege verbesserter Methodik das Edelstück jüdischen Bildungsgutes der jüdischen Schule zu erhalten. * * \ * Wenn wir von manchen agadischen Teilen des Talmud absehen, die doch nicht den Hauptstoff des Talmudunterrichtes bilden sollen, erkennen wir den größeren und wesentlichen Teil desselben als eine Niederschrift von Gedankengängen, die nur durch ein klares, vorurteilsloses und folgerichtiges Denken vollkommen erfaßt werden können. Im Pädagogen, dem ein solcher Unterrichtsstoff vorgelegt wird, wird zunächst der Psychologe Widerspruch erheben. Die Schule könne ihre Zöglinge doch nicht einen Stoff lehren, der das Denken nach Art wissenschaftlicher Forschung voraussetzt. Dieser Stoff könne wohl Gegenstand einer Uebung eines Hoch-!schulseminars sein (ist er doch auch als eine Art Niederschrift von Hochschuldiskussionen zu betrachten), nicht aber einer Schulklasse, die aus Jugendlichen besteht, bei denen der Intellekt sich noch nicht genügend freimachen kann von Einflüssen des Gemütes. Er mag wohl noch der Oberstufe der höheren Schule, die zum wissenschaftlichen Arbeiten erziehen soll, als Unterrichtsstoff zugebilligt werden, sind deren Schüler ja bereits im Älter des vorherrschenden Intellektes; aber in der Mittelstufe und Unterstufe sei dieser Stoff in keiner Weise der Seele des Kindes entsprechend, ja er könne keinen Eingang in diese finden. Es bedarf keiner weiteren Belege für diese psychologische Betrachtung, die ihre Grundlage übereinstimmend in