Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Ärbeitsmethode im Talmudunterrieht 159 werden. Schon aus äußeren Gründen nicht, weil er eine Vermehrung der Lehrkräfte erforderlich macht; eine planmäßige höhere finanzielle Belastung wird aber unseren jüdischen Schulen für die nächste Zeit nicht zugemutet werden können. Auch lassen sich ernste, pädagogische Gründe gegen diese Klassenteilung, bei der jeder Abteilung doch — wenn auch nicht ausgesprochen — eine andere Bewertung neben der anderen zuteil wird, geltend machen. Ein anderer Vorschlag, die Schüler für den Talmudunterricht in Förder- und Begabtenklassen zu ordnen, also aus dem allgemeinen Klassensystem der Schule herauszunehmen, wird — an den höheren Schulen jedenfalls — schon an plantechnischen Schwierigkeiten scheitern müssen. Auch hier kann man vom erzieherischen Standpunkt einwenden, daß gerade einer der Hauptvorteile der jüdischen Schule, nämlich das Einreihen der jüdischen Fächer unter die Gesamtfächer und damit die Hebung ihrer Autorität beim Schüler hierdurch verloren geht. Wir müssen also suchen, auf Wegen der Methodik die Steine aus dem Wege zu räumen, die äußere Umstände, aber auch das Wesen des Talmudtextes selbst, dem Pädagogen in die Wege legen. Hier auf gangbare Wege hinzuweisen, sei Aufgabe der folgenden Ausführungen. Vorher noch eines zu betonen, liegt mir jedoch am Herzen. Fern sei es mir, auf die Methoden Steine zu werfen, die bisher gepflogen wurden in den Zentren jüdischen Wissens und Lebens. Sie dürften sowohl nach der räumlichen, wie auch zeitlichen Lage ihrer Anwendung differenzierbar sein, also verschieden bewertet werden können. Es steht mir keinesfalls zu, Wege zu verurteilen, die zahllose Koryphäen jüdischen Geistes zu verschiedensten Zeiten und in den verschiedensten Ländern zu ihrem Hochziel geführt haben. Lediglich für unsere Verhältnisse und unter Voraussetzung der jüdischen Allgemeinschule sollen die folgenden Ausführungen versuchen, Wege zu ebnen. Dies aber scheint sehr dringlich, wenn wir dem Problem mit Ehrlichkeit und Ernst entgegentreten. Schon werden Stimmen laut, die den Talmudunterricht aus der jüdischen Schule bannen wollen wegen seiner geringen Frucht-