Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 156 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293074--10996-2304296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
156 ״Warschau“ von Schalom Äsch durch eine Industrialisierung des heiligen Landes ent״ stehen würde, ist in der biblischen Gesetzgebung nicht vorgesehen. (Eine Zukunftsaufgabe!). Aeußerst ansprechend wirkt auch die Art, wie Schalom Äsch durch seinen Helden Mirkin (mit dem er sich scheinbar identifiziert) das positive Judentum verteidigen läßt. Er fühlt sich zu dieser ihm seltsamen Welt magisch hingezogen. ״In den Formen und Gebräuchen der jüdischen Religion sah Mirkin jüdisches Volkstum, dessen charakteristische Art auf ihn scharfen Reiz ausübte.“ Wenn Mendel, der Freund und Antagonist des maskilischen Lehrers Hurwitz, in seiner verzehrenden Sehnsucht nach Palästina sich täglich in die Welt des Talmuds einspinnt, da spürt er sich Kräften verbunden, Gefühlen und Gedanken, die aus uralten Quellen strömten. ״Wenn ich die Gesetze über den Zehnten, über das Bodenrecht usw. studiere, fühle ich mich für einige Stunden auf heiligen Boden versetzt. Ich spüre den Geschmack des Getreides, ich zahle den Zehnten, ich entrichte meinen Ernteanteil an die Armen, ich lebe ein ganz anderes Leben, ich vergesse Feindschaft und Bosheit der Völker. Man muß Jude sein, als Jude leiden, um dieses fühlen zu können. — — —“ Phantastereien eines intellektuellen Schwärmers, eines hoffnungslosen Sehnsuchtsmenschen? Nein! Unmittelbarer, stärkster Ausdruck eines die Vergangenheit verlebendigenden Gegenwartsmenschen! Wer mit solcher Inbrunst und solcher Seelenhaftigkeit Talmud studiert, der ist kein Utopist, der aktualisiert die Vergangenheit, der webt an der Gottheit lebendigem Kleid.“ מ־ יהן, daß wir ein ganzes Geschlecht solcher Gottesjünger und Palästinaschwärmer erzeugen könnten, und es stünde besser um alle unsere Erez Isroel-Be- Strebungen. Alle Parteiunterschiede schwänden, und wir rückten unserem Ideale in greifbarere Nähe. Die vorstehende Skizze läßt kaum erkennen, weiche Vielfältigkeit der Typen und scharfumrissener Charakterbilder der Roman bringt. Es wäre noch zu zeigen, wie selbst die anderen Charaktere bei aller jugendlichen Halbreife mit ihrer hin-