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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 154 (sequence 60)
Language
German
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154 ״Warschau4‘ von Schalom Asch* witz (diese bildet den Mittelpunkt) ist die Tragik der großstädtisch jüdischen Masse: Sie leiden an einer Hypertrophie der Verstandesbildung, der Ratio, auf Kosten der Gemütskräfte und der körperlichen Betätigungen. Der Einfluß der H a s k a 1 a, die Periode der jüdischen Aufklärung hat ihren Anhängern keinen Segen gebracht, der Glaube an die Älleinbeseligung der europäischen Wissenschaften und die Allmacht ihrer Erkenntnis hat die jüdischen Glaubensquellen vielfach verschüttet, hat die junge von der alten Generation getrennt und die Kräfte der Religion in Verfall gebracht. Die Jungen werfen sich hemmungslos dem Götzen des Sozialismus in die Arme, in ihren Lehren erblicken sie ihr Allheil, und mit Verachtung blicken sie auf alles herab, was Glaube und Tradition heißt. Die Lehren eines falschverstandenen Sozialismus, der öden Gleichmacherei und herzenskalten Aufklärerei und Vernunftsseligkeit auf der einen Seite, des erbarmungslosen Kapitalismus der großen jüdischen Fabriksherren auf der Gegenseite — dieses sind die düsteren, problemschweren Hintergründe der Klassen- und Lohnkämpfe, dies ist der Untergrund der hier geschilderten jüdischen Tragödie. Hier der hungernde jüdische Handweber, der bei kärglichem Wochenlohn ein Sklave seiner Handwebearbeit ist, der wegen seiner Sabbatheiligung von dem Maschinenbetrieb zurückgehalten wird — dort der üppige, scheinheilige jüdische Kapitalist, der sich weigert, dem frommen Glaubensbruder eine gesonderte Fabrik mit der Möglichkeit der Sabbatruhe einzuräumen, in der Mitte die jugendlichen Bilderstürmer, die blindlings alles sozialisieren wollen und den Arbeitern die goldene Zukunft vor malen. So kommt es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, zu Ärbeiterunruhen am 1. Mai 1914, jüdisches und auch christliches Blut fließt, der Sohn des Lehrers Hurwitz fällt als eines der ersten Todesopfer einer despotischen Justiz. Dieses ist nur eine Entladung, keine Lösung des Konflikts. Der Dichter selbst glaubt nicht an eine gewaltsame Lösung der sozialen Gegensätze. Nicht Blut und Eisen heilt, sondern Menschlichkeit ist die letzte Losung. Mirkin,

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