Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 151 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Werke der Masoreten 151 kannt war und daß sie diese für die Ueberlieferung des Bibeltextes anwandten. Es will demgegenüber nichts besagen, daß die Bibelverse der Piut-Fragmente in der Punktation den Piutim und nicht den Bibel-Fragmenten gleichen, denn diese in das Gebet eingefügten Verse wurden in der Art des Gebetes gesprochen, während man sich dort, wo die Ueberlieferung des Bibeltextes Selbstzweck war, nach der masoretischen Aussprache richtete. Das wäre eine Bestätigung der von Bergsträßer (OLZ 1924 Sp. 584) geäußerten Vermutung. Es ergibt sich, daß die Abweichungen von der masoretischen Aussprache Dialekterscheinungen sind. Scheinbar wurden sie in den Kreisen, in denen dieser Dialekt gebraucht wurde, auch als solcher empfunden. Kahles These, daß die von den Masoreten festgelegte Aussprache künstlich ist, ist nicht zu beweisen. Davon unabhängig haben die von der masoretischen Aussprache abweichenden Aussprachen ihre Bedeutung: Durch diese Aussprache-Bezeugungen sehen wir, was den Anlaß zur Schaffung der tiberischen Punktation gegeben hat. Aussprachen, die von der masoretischen abweichen, erreichten immer größere Verbreitung. Die bestehende Punktatiop bot keine Gewähr für die Erhaltung der masoretischen Aussprache. Man war daher gezwungen, ein möglichst genaues Punktationssgstem zu schaffen. ־ Allerdings sind nach den bisherigen Darlegungen diese Aussprachen nicht als vormasoretisch zu betrachten. Denn die masoretische Aussprache ist die Aussprache, die mit Treue durch die Jahrhunderte überliefert wurde, und deren Wiederverbreitung die Masoreten im Kampf gegen die überwuchernden Dialekte durchgesetzt haben. Eher können wir von außermasoretischem Hebräisch sprechen. Das von Kahle erschlossene Material hat jedoch nicht nur grammatisch-historischen Wert. Weit größer ist das literarische und allgemein-historische Interesse. Die Fragmente mit palästinischer Punktation enthalten Bibel, Targum, Mischna, Masora, Midrasch und Piut. Diese trockene Aufzählung läßt die Reichhaltigkeit der Literatur nur ahnen. Besonders erfährt die Kenntnis des älteren Piut eine große Erweiterung. Kahle hat einen großen Teil der Piutfragmente unter Mitarbeit von Dr. J. Rabin, Dr. J. Weinberg, Dr. J. N. Epstein, Ch. Gerstein und anderer bearbeitet. Diese Piutfragmente bilden einen Teil des Kahleschen Buches. Weitere Piutim wurden und werden von Kahles Schülern ediert. Die Piut-Edition bedarf einer besonderen Besprechung. Nur hinweisen möchte ich auf den Abschnitt ״Der masoretische Text des Alten Testaments und der Text der Ben Äser“. Kahle