Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. kinderreichen Familien zur Sorge der gcsaraten Gemeinde zu machen, werden die Erfolge nicht ausbleiben. Aber auch dort, wo es nicht gelingt, aller wirtschaftlicher Schwierigkeiten Herr zu werden, wird man die Erfahrung Grotjahns (p. 212) berücksichtigen können, daß ein starker Wille sich auch ungünstiger Umgebung gegenüber durchsetzen wird. ״Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse geben noch keinem das Recht, sich der Pflicht der Kindererzeugung zu entziehen.“ In unserem Kreise wird insbesondere auch das Gottvertrauen für die Zukunft, in rechtem Sinne verstanden, manchem Paare helfen, das jetzt noch keine vollen Sicherheiten für Familiengründung und Fortführung zu haben glaubt. Wenn man zum Schluß die Summe dieser positiven Beeinflussungsmöglichkeiten überblickt, so wird man von ihnen allerdings keine generelle Wandlung zum Besseren erwarten dürfen. Wohl wird aber in Einzelfällen ein Erfolg zu erhoffen sein, und je mehr sich solche Einzelfälle ereignen werden״ je öfter kinderreiche Familien entstehen und ihre Existenzmöglichkeiten erweisen werden, um so mehr wird ihr Beispiel auf die umgebende Bevölkerung einwirken. Will man mehr als solches bei uns Juden erreichen, so wird man seine Energie auf eine religiöse Regeneration richten müssen, die die Thora in ihr Recht als willensbestimmenden Faktor für jeden Einzelnen wie für die Gesamtheit einsetzt. Daß es letzten Endes auf ein derart eingestelltes geschlossenes Kultur-Milieu allein ankommt, haben unsere grundsätzlichen Erörterungen eingangs erwiesen. So schwerwiegende Forderungen heute aufzustellen, ermächtigt uns der Ernst der Lage. Denn nach unseren Darlegungen ist unverkennbar, daß durch das Geburtenproblem unsere Judenheit und bis zu gewissem Grade auch unser Judentum in eine ernste Krisis gestürzt ist.