Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 117 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem., 117 Ueber die Gefahren und traurigen Folgen der Geburten״ Verhütung aufzuklären, dürfte besonders dankbare Aufgabe der Aerzte sein. Wenn das Volk sieht, daß ärztlicher und rabbinischer Rat konform geht, wird auch die Frucht der Be״ mühungen eher zu erwarten sein. Schließlich noch ein Wort über wirtschaftliche Maßnahmen zur Verhütung des Geburtenrückgangs. Hier wird man von vornherein seine Kräfte nur gering einschätzen müssen. Im einzelnen Falle mag vielleicht durch Rat hei״ fend vorgebeugt werden können. Da die Stadt, namentlich die Großstadt, mit ihren engen Wohnungsverhältnissen, mit dem durch die Steinmauern beschnittenen Himmelslichte und ihren sonstigen hygienischen Mängeln die Familiengründung und die Kinderaufzucht erschwert, wird man der Landflucht nach Kräften entgegentreten müssen. Vor solchen Berufen, die spät oder garnicht zur Familiengründung führen, wird mau warnen. Die altjüdische Sitte der Hachnossas Kalloh sollte wieder in neuem Gewände aufleben, hier sei nur kurz auf die diesbezüglichen Versuche in Frankfurt a. M. verwiesen. Die kinderreichen Familien müßten in unseren Krei״ sen nach Möglichkeit gefördert und bevorzugt werden. Bei Anstellungen sollten sie in erster Linie berücksichtigt werden. Die Gehälter müßten gemäß der Kinderzahl durchgreifend gestaffelt werden. All dies muß nicht nur bei öffentlichen Anstellungen seitens der Gemeinden, sondern auch bei pri״ vaten Betrieben Anwendung finden, auf deren Entschließ un״ gen man Einfluß gewinnen könnte. Ehrenpflicht der Gemeinde wäre es, bei zahlreichen Geschwistern die Ausbildungsmöglich״ keiten zu erleichtern; Schulgeldermäßigung und Schulgeld״ Erlaß vom dritten oder vierten Kind an läge in diesem Sinne. Die Heranziehung kinderreicher Familien zu den Lasten der Gemeinde sollte in vielleicht noch stärkerem Grade als es von״ seiten des Staates geschieht, beschränkt werden. Daß darüber hinaus wohlhabende Gemeinden Kinder prämien gewähren sollten, braucht nicht ins Land der Utopie verwiesen zu wer״ den. Wenn man ernstlich bestrebt ist, die Sorge der