Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. Ueber das Spezialgebiet hinaus müßte die Beeinflussung die ganze Einstellung zum Leben treffen, will sie mit Erfolg der Geburten Verhütung entgegentreten. Der Begriff der ״An- Sprüche“ an das Leben müßte aus dem Lexikon gestrichen werden, der Egoismus, die Bequemlichkeit in die Schranken gewiesen, die allgemeine materialistisch-wirtschaftliche Grundauffassung ad absurdum geführt werden. So leicht — wie es so in einem Atemzug gesagt ist — wird es freilich nicht sein. Dennoch dürfte doch manches Wort auf fruchtbaren Boden fallen, namentlich wenn es in gleicher Weise aus dem Munde religiöser und hygienischer Berater kommt. Da es erfahrungsgemäß für das einzelne Paar schwer ist, in einer einfacheren Lebensführung sich durchzusetzen, kann der Gefahr einer Isolierung durch Zusammenschluß gleichstrebender Ehepaare vorgebeugt werden. Dadurch wird manchem jungen Paare die Möglichkeit gegeben werden, sich früher zu vermahlen, manches Ehepaar wird vor der Geburtenverhütung bewahrt werden können. Der Wille zum Kinde wird angefacht werden köunen durch Vertiefung des Verantwortungs-Gedankens für die religiöse und nationale Zukunft. Um diesen Gedanken auch bei der Frau zu verankern, wird es allerdings nötig sein, sie selbst von ihrem Wert zu überzeugen. Die kinderreiche Frau muß in ihrer Selbstachtung ebenso wie in dem allgemeinen Urteil steigen, gerade heute, wo Kinderreichtum nicht mehr eine Passivitätserscheinung, ein Naturzwang ist. Gerade weil heute Geburtenverhütung ein Leichtes, gewissermaßen das Naheliegendste ist, wird das opferwillige entsagungsreiche Bekenntnis einer Frau zu mehrfacher Mutterschaft Achtung und Selbstachtung erzeugen. Und je mehr eine jüdische Frau selbst von jüdischen Werten durchdrungen ist, umso entschlossener wird sie die Opfer auf sich nehmen wollen, für diese Werte Träger für die Nachwelt zu erzeugen. Hier und dort wird auch der Familienstolz zur Intensivierung des Willens zum Kinde herangezogen werden können.