Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 115 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 115 Scheidung das ihnen als Richtschnur gegebene Gesetz zur Geltung bringen und zugleich für das von dem Gesetz selbst geforderte Postulat der Gesundheit und Lebenserhaltung der Person und der Familie Sorge tragen werden. Neben der Zusammenarbeit von Rabbiner und Arzt wäre Aufklärung weiterer Kreise von großem Wert, wenn von Mann zu Mann und noch besser von Frau zu Frau die Ideen des jüdischen Sexualgesetzes, wie es sich grade heute als zeitgemäß erweist, verbreitet würden. So könnte manches Ehepaar rechtzeitig vor dem Sgstem moderner Geburtenverhütung gewarnt und geschützt werden. Bei jungen Ehepaaren sollte man beginnen. Denn ist man einmal in einer Ehe an den Schwangerschaftsschutz gewöhnt, so besteht die große Gefahr, daß man nicht mehr von ihm loskommt. Die Aufklärung sollte sich zunächst auf das naheliegende religiös-moralische Gebiet erstrecken. Die religionsgesetzlichen Bestimmungen, Gebote und Verbote, müßten den Kern und Ausgangspunkt bilden. Daraus sollte man die Grundlagen der Sexualethik ableiten. Die Bedeutung der Ehe wäre zu entwickeln, die auch nach moderner hygienischer Definition von Grotjahn ״eine dauernde Verbindung zweier fortpflanzungsfähiger Personen verschiedener Geschlechter zum Zwecke der Erzeugung und Aufzucht von Kindern ist.“ (p. 16.) Daran könnten die ethischen und gesundheitlichen Gefahren eines vorehelichen und außerehelichen Sexuallebens Erörterung finden. Die Frühehe wird dort — wo sie wirtschaftlich sich ermöglichen läßt, — empfohlen werden. Die Eltern junger Paare sollten gegebenenfalls zur Beihilfe für die ersten Jahre veranlaßt werden. Gleichzeitig aber muß verhindert werden, daß der Gedanke sich einschleicht: ״Man will noch keine Kinder“. Mit Recht hebt Grotjahn bei einer ״Kameradschaftsehe“ die Gefahr hervor, daß solche Ehepaare sich an Kinderlosigkeit gewöhnen. Man macht daher die Erfahrung, ״daß auch später diese Paare nicht zu denen gehören, die eine normale Kinderzahl hervorbringen.“ (p. 207.)