Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 109 Nach dieser von Grotjahn bestätigten Auffassung ist die Deutung des Geburtensturzes der deutschen Juden ohne Weiteres gegeben. So machen sich besonders bei ihnen jene ungünstigen Erscheinungen geltend, die als Folgen der Geburtenbeschränkung anzusehen sind. IV. Folgen der Geburtenbeschränkung. Wir waren davon ausgegangen, daß durch die Fortschritte der technischen Hilfsmittel die Geburtenverhütung heutzutage mit einer gewissen Sicherheit möglich ist. Es sei indes nicht verschwiegen, daß die meisten dieser Verhütungsmethoden schädigenden Einfluß auf körperliche und psychische Gesundheit ausüben können. Die Methoden selbst und ihre jeweiligen Nachteile darzustellen, wäre Aufgabe einer fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung. Hier sei nur erwähnt, daß schon manche Frau und manche Ehe durch die Prävention unheilbaren Schaden erlitten hat. Der Grund hierfür leuchtet ohne weiteres ein. Die alte und auch heute noch von der Wissenschaft vertretene Auffassung ist es, daß die Ehe als harmonische Vereinigung von Mann und Weib der Erzeugung von Kindern dienen soll. Gewöhnt man sich, den Geschlechtstrieb unabhängig von seinem Zweck — der Fortpflanzung — zu betätigen, so wird die Harmonie der Ehe leicht gestört werden, in kinderarmen und kinderlosen Ehen kommt es erfahrungsgemäß auch eher zur Scheidung. All dies sei nur angedeutet. In seinen Konsequenzen ist es allgemein bekannt. Nicht nur die Konstitution der Ehe wird indes von diesen Methoden beeinflußt, der Charakter der Ehegatten selbst leidet darunter. Hatten wir eingangs gesehen, daß eine der Triebfedern der Geburtenbeschränkung die materialistische Einstellung darstellt, so wirkt die Uebung selbst wiederum derart, alles nur der Sinnenlust dienstbar zu machen und jede Verantwortlichkeit zu fliehen. Ein circulus vitiosus, aus dem es kaum noch ein Entrinnen gibt. Nebenbei sei bemerkt, daß die Verbreitung der Methoden im Volke dazu geführt hat, auch die geschlecht-