Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem.!Eindruck berechtigt ist3 — nicht ganz die Ziffern ihrer ostjüdischen Brüder erreicht werden. Beobachten wir doch bei dem gesetzestreuen Juden des Westens nicht selten eine Orthopraxie, ein formales Leben nach dem Gesetz, ohne daß er von Kenntnis und Geist der Gesetze durchdrungen die Thora zum allein willensbestimmenden Faktor erhoben hätte. Ein solch matter Abglanz des Thorascheines kann naturgemäß keine starken Wirkungen hervorrufen. Kinderreichtum wird nur dort zu erwarten sein, wo der volle Thoraglanz in die Massen strahlt. So wird der Ostjude alten Schlages zum Träger gesunder Geburtenbewegung, und er bewahrt diese Kraft auch dann in erheblichem Maße, wenn seine Wanderung ihn in die Länder des Westens führt. So ist es nur dem ostjüdischen Zuzug nach Deutschland zu danken, daß die hiesige Geburtenziffer nicht noch tiefer gesunken ist. Der Altmeister der Sozialhygiene Grotjahn hat diese Zusammenhänge richtig gewürdigt. Er schreibt:4 ,,Nur einem Volke des Altertums ist es gelungen, trotz notgedrungenen völligen Verzichts auf Waffengewalt allen Einbüßen an Menschenleben, wie furchtbar sie auch waren, Trotz zu bieten und dem Völkertode bis auf unsere Tage zu entgehen: den Juden.“ Die Ursache dieser Erscheinung sieht Grotjahn darin, daß die Juden den Grundsatz ״seid fruchtbar und vermehret euch“ in Religion, Gesetz und Sitte erfolgreich zur Geltung gebracht haben. In dieser Begründung liegen aber zugleich auch die Grenzen der geheimnisvollen Wunderkraft. Grotjahn weist darauf hin, wie die Kindera r m u t der religiös-emanzipierten Juden in den Ländern des westlichen Europas von dem Kinderreichtum der noch stark religiös gebundenen östlichen Juden grell absticht. 3 Anmerkung: Auf Grund einer für andere Zwezke erfolgten Zusammenstellung (Jacob Levg, Zeitschrift für Sexualwissenschaft Bd. VII, Heft 11) kann man hier eine Durchschnittszahl von 3*8 Kindern für die fruchtbare Ehe vermuten. 4 Grotjahn: Die Hygiene der menschlichen Fortpflanzung, p. 42.