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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 107 wendigkcit des Kinderreichtums für die Nation zu vermitteln, so gibt noch nicht das Wissen, sondern das Gewissen den Äusschlag. Nur einen Weg gibt es, dieses Gewissen in den Dienst der Volksvermehrung zu stellen und die soziologische Bindung zu sprengen, das ist die Religion. Damit meine ich nicht den jüdischen ,,Glauben“, zu dem sich der westeuropäische Jude bekennt. Der Staatsbürger jüdischen Glaubens unterliegt demselben Zwange der Gesellschaft wie der thoralose jüdische Nationalist. Es kann nur eine Religion sein, die Ueber׳- zeugung und Lebensweise des Individuums absolut bestimmt, wie sie die Thora dem Juden bietet. Man kann auch nicht Eklektiker sein und eine Gruppe des Religionsgesetzes, vielleicht die Sexualvorschriften, herausgreifen. Wenn Eisenstadt sagt: ״Ein tragisches Geschick ist es, daß die Juden lediglich aus dem Grunde ihrem Untergang entgegeneilen, wei) sie ihr religiöses Sexualgesetz verwerfen“, so erweitert Goslar2 den Gedankengang, indem er ergänzend hinzufügt: ״weil sie ihre Eigenkultur, ihren gesamten gewaltigen Geisteskomplex über Bord geworfen haben, von der das Sexualgesetz nur ein Teil, ein sinngemäß in das Gewebe des großen Ganzen eingeflochtenes Stück gewesen ist.“ Nur wenn es eine Thora ist, die den Menschen vom Morgen bis zum Äbend geleitet, die sein gesamtes Tun und Lassen von Jugend auf bestimmt, der zuliebe er tagtäglich freudig Opfer bringt — nur so kann der Glaube der Faktor im Leben werden, der sich durchsetzt, wenn sich schwere Widerstände auftürmen. Und um solche Widerstände handelt es sich in der Tat, wenn die Fortpflanzungs-Maximen der Thora gesellschaftliche und materielle Werte besiegen sollen. Nach alledem ist es verständlich, wenn auch in vielen westjüdischen Kreisen, die sich zum Thorajudentum bekennen — soweit ohne exakte statistische Unterlagen ein allgemeiner 2 Hans Goslar: Die Sexualethik der jüd. Wiedergeburt, Berlin 1919 p. 15.

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