Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. in dieser seiner Mentalität kaum von dem nichtjüdischen Proletarier verschieden. Die soziologische Einheit zwingt die Juden in die Fesseln der Gesellschaft. Aus einer so starken sozialen Zwangsstellung kann nur eine Idee das Individuum herausheben und befreien, und es muß schon eine mächtige Idee sein, die den ganzen Menschen ergreift und ihn zu höchster Opferwilligkeit anspornt. Man könnte daran denken, daß die jüdisch -nationale Bew e g u n g der letzten Jahrzehnte eine solche Idee wäre, die das Individuum zur Verantwortlichkeit gegenüber der Nation erzöge. T h e i 1 h a b e r deutet ähnliche Hoffnungen in seiner Schrift über den Untergang der deutschen Juden an. Wir wollen nicht verkennen, daß der Zionismus auf manchem Gebiete eine seltene Opferfreudigkeit zu erzeugen imstande war. Auf dem Gebiete der Geburtenregelung war jedoch bisher der Impuls zu schwach, als daß man eine Massenwirkung hätte beobachten können. Die zionistischen Kreise haben kaum mehr Kinder als die analogen Kreise der Ässimilanten. In Erez Jisroel betrug 1928 die Zahl der jüdischen Geburten (auf 1000 Einwohner berechnet) 23,3, bei den Arabern 25,9. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, daß in der jüdischen Bevölkerung sich zahlreiche fruchtbare Elemente altostjüdischer Provenienz vorfinden, wodurch die Geburtenziffer der modernzionistischen Kreise noch weiter niedergedrückt wird. Die hiesigen aus dem Osten stammenden Nationaljuden, die mit Öer Religion gebrochen haben, reihen sich in ihrer Kinderzahl ganz ihrem assimilierten Milieu ein. Die jüdisch-nationalistische Idee, die das jüdische Volk in die Reihe der Völker eingliedern will, kann ebensowenig eine Massenwirkung erzielen wie die analogen Bestrebungen anderer Völker. Daß es Mussolini gelingt, die Geburtenziffer um einige Prozente zu heben, beruht weniger auf einer Propagierung der nationalen Idee, als vielmehr auf einer den Kinderreichtum fördernden Gesetzgebung. Es ist hier nicht das Individuum, das zum Träger verstärkten Zeugungswillens erhoben wurde. Wenn es auch gelingen mag, den Massen das Wissen von der Not-