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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 105 (sequence 11)
Language
German
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 105 Eigenschaft der Juden zu deuten, daß bei ihnen die Anpassung an ein neues Milieu mit besonderer Geschicklichkeit und Schnelligkeit vor sich geht. Dieser Unterschied gegenüber «der umgebenden Volksmasse beruht anscheinend auf der Beweglichkeit des jüdischen Geistes und dem stärker entwickelten Einfühlungsvermögen der Juden. Nicht mit Unrecht hat man den Juden als das ״Barometer der Völker“ bezeichnet. So ging auch der Geburtenrückgang der deutschen Juden dem allgemeinen Rückgang als Warnungssignal u m Jahrzehnte voraus: Im Jahre 1875 waren bei allgemeiner Geburtenziffer von 39 f. d. Tausend 32 jüdische Geburten f. d. T. Im Jahre 1910 waren bei allgemeiner Geburtenziffer von 27 nur noch 17 jüdische Geburten. So rückt bei uns die Fruchtbarkeitslehre der jüdischen Rasse in das Reich der Fabel. Wenn die Rasse als kausaler Faktor eine Rolle spielte, so war sie dafür mitverantwortlich, daß sich die Juden in bestimmte Gesellschaftsschichten einreihten. Auf dem Umweg über soziologische Faktoren wurde so die Geburtenzahl beeinflußt — nur geschah dies in entgegengesetztem Sinne, im Sinne eines Geburtenrückgangs. Ueberhaupt sind die soziologischen, und in engem ursächlichen Zusammenhang die wirtschaftlichen Verhältnisse von wesentlicher Bedeutung für die Geburtenfrage. Bilden die Juicten des Landes kleine Minoritäten, so versteht sich von selbst, daß sie sich in die zugehörigen gesellschaftlichen Schichten eingliedern und deren Lebensgewohnheiten annehmen. Neben der Einwirkung von außen bestimmen Rasse und Tradition die Stellung des Juden im Berufsleben, in der Ge- Seilschaft, und die Gesellschaft tut das ihrige, sie assimiliert ihn zu ihresgleichen. Seine Stellung zum Geburtenproblem ist!damit von vornherein gegeben. Selbst in Ländern, in denen die Juden geschlossene Gesellschaftsschichten bilden, ist es in dieser Beziehung nicht anders: der jüdische Proletarier ist

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