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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 103 (sequence 9)
Language
German
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 103 kann nicht scharf genug betont werden, daß vielleicht in gänzlich armen Familien solche Gedankengänge cum grano salis ihre Berechtigung haben mögen, wissenschaftlich sind sie nicht e u genisch, sondern direkt d y s genisch. Man ist nicht imstande, aus einem jeden Kind — gerade dem ersten und zweiten — ein hochwertiges Individuum zu züchten. Wir müssen die Quantität haben, um die Qualität zu bekommen, erkannte Bertillon. Die Erfahrung lehrt, daß große Männer meist aus kinderreichen Familien stammten, und die Geschichte zeigt, daß nur kinderreiche Völker große Männer hervorbrachten. Zu wirtschaftlichen und hygienischen Gesichtspunkten geseilt sich als dritter Faktor die kulturelle Einstellung der heutigen Zeit. Der Typus der selbständig schaffenden Frau, der mehr und mehr hervortritt, ist nicht auf die Kinderzeugung eingestellt, ebenso wie die kulturelle Verfeinerung der Frau in allen Schattierungen bis zur Verzärtelung und Bequemlichkeit sich gegen Schwangerschaft, insbesondere häufige Schwangerschaft auflehnt. Nachdem es die Technik gestattet, den Geschlechtstrieb ohne die Beigabe der Gravidität zu befriedigen, macht man von dieser Möglichkeit ohne gewissenhafte Prüfung vielfach Gebrauch. Der unter natürliehen Verhältnissen mit dem Geschlechtstrieb gepaarte Fortpflanzungstrieb ist auf ein Minimum reduziert. Jener aufs Spielerische eingestellte moderne Frauentyp findet seine Sehnsucht in der Erzeugung eines Kindes oder — wenns hoch kommt — eines Pärchens vollkommen befriedigt. Die natürliche Sehnsucht nach Mutterschaft ist so ganz abgeblaßt. Von dem Wunsche des Mannes nach Kindern ist kaum noch die Rede. Kein Wunder heutzutage, wo die gesamte Kultur den Stempel des Materialismus und seines sacro egoismo trägt. Man hat eben kein Ideal, für das man leben will, für dessen Fortführung man Kinder erzeugen und erziehen will. Man erkennt dem Leben nur ein materielles Sein zu.!Indem man ihm seinen ideellen Gehalt nimmt, verneint man das Leben im tiefsten Grunde, worauf N e u m a n n hinweist.

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