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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 101 (sequence 7)
Language
German
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 101 Die wirtschaftlichen Gründe stehen zweifellos im Vordergrund. Bei den wohlhabenden Schichten will man der Nachkommenschaft eine gesicherte Position hinterlassen, und jedes Vermögen läßt sich durch kleine Zahlen leichter dividieren als durch große. Die Kriegs- und Inflationszeit war für diese Kreise noch keine genügende Lehre, um sie von dem Wahn zu befreien, als könnte man einen unangreifbaren gefüllten Tresor für das Kind und den Enkel hinterlassen. Die Sorge für die Zukunft ist ernster schon bei den Schichten des Mittelstandes zu bewerten, die nicht auf so lange Sicht disponieren wollen. Und der verarmte Mittelstand kämpft heute schon ebenso wie das Proletariat um das tägliche Brot. Der Verdienst ist schlechterdings nicht zu steigern, und jedes neue Kind bedeutet Schwächung, vielleicht Unterbindung der Lebensmöglichkeit. Vielfach muß die Frau mitverdienen, um die Existenz zu ermöglichen, jedenfalls erschwert die Berufstätigkeit der Frau die mütterlichen Aufgaben. Die Wohnungsnot pfercht — namentlich in den großen Städten — die ganze Familie in enge Löcher ohne Luft und Licht. Solche Behausung hemmt nicht nur die wirtschaftliche Existenz, sie hat auch schwere Konsequenzen moralischer und besonders gesundheitlicher Natur. Ueberhaupt kann nicht außer Acht gelassen werden, daß wirtschaftliche und gesundheitliche Motive oft so innig miteinander verknüpft sind , daß man in vielen Fällen dazu neigen möchte, die gesundheitlichen Motive als ausschlaggebend an- Zusehen. Mancher Frau könnte auf Grund ihrer angeborenen Konstitution durchaus zugemutet werden, einer großen Kinderschar das Leben zu geben — wenn sie wirtschaftlich in der Lage wäre, für ihre Gesundheit zu leben. Dieselbe Frau, die von Jahr zu Jahr ihre Schwangerschaft austrägt und dabei genötigt ist, ohne Schonung für Haushalt und Kinder Tag und Nacht zu sorgen, geht zweifellos dabei körperlich zu Grunde, von der gesundheitlichen Minderwertigkeit der Kinder ganz abgesehen. Das Leben dieser Frau ist sicherlieh gefährdet, auch wenn sie keine lebensbedrohlichen Or-

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