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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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100 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. auch die mit der Spätehe im engen Zusammenhang stehende sexuelle und erotische Erschlaffung durch das voreheliche ,,Ansleben“ zu einer Verminderung der in der späten Ehe erzeugten Kinder. Trotzdem können auch diese ungewollten Faktoren für den Geburten stürz nicht ausschlaggebend sein. Wir werden vielmehr auf jene ursächlichen Faktoren blicken müssen, die b e w u ßt e und gewollte Geburtenbeschränkung darstellen. Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Tat eine so tiefgreifende Äenderung der Voraussetzung gen ergeben, daß diese allein genügt, um uns das statistische Katastrophenbild zu erklären. Waren früher die Methoden der Geburteneinschränkung primitiv und vollkommen unsicher, so ist diese heute mit fast absoluter Sicherheit durchzuführen. War früher die Kindererzeugung in der Regel die selbst־׳ verständliche Frucht des ehelichen Lebens, so gehört heute angesichts der Verbreitung der antikonzeptionellen Mittel um־׳ gekehrt zu jeder Kindererzeugung ein besonderer Willensakt. Die Technik hat die Natur besiegt. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die kulturelle Umwertung der letzten Jahre haben in ihrer Projektion auf die einzelne Familie die Zeugungsfreudigkeit in hohem Maße eingedämmt. Auf der anderen Seite wurden fast alle Faktoren ausgeschaltet, die eine Förderung der Kindererzeugung hätten bewirken können. Die Entkirchlichung mit dem Auflösen der religiös-bindenden Sitte hob das moralische Postulat der Fruchtbarkeit vollkommen auf. Ein starkes gesundes Nationalgefühl, das vielleicht in der Lage gewesen wäre, ein ähnliches Postulat aufzustellen, suchen wir vergebens. Es mangelt an jedem Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit, und so ist es verständlich, daß nicht nur ernste Motive der GeburtenVerhinderung zu Grunde liegen, sondern jedes noch so billige und leichtfertige Motivehen setzt dem zur Zeugung erforderlichen Willensakt ein Veto entgegen. Gehen wir an die Analyse der bestimmenden Gedankengänge, so werden wir eine Reihe von verschiedenartigen Motiven erkennen können.

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