Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 99 in den großen Städten, seinen Anfang genommen hat. Nach und nach folgte die Ärbeiterbevölkerung, und auch wiederum zunächst die hochqualifizierten Arbeiter. Die Möglichkeit zur Geburteneinschränkung bot die technische Vervollkommnung der Geburtenverhütung. Die allgemeine Wirtschaftslage, die man ursprünglich als Hauptübel ansah, spielt wohl erst sekundär mit. Vor dem Kriege hatte man eine Wohlstandstheorie, die man fallen ließ, als in Jahren des Elends nach dem Kriege die Geburtenziffer rapide herabsank. Flugs stellte man sich um und verkündete eine Ärmutstheorie, aber auch diese ist morsch, denn in reichen Ländern (Amerika) finden wir in gleicher Weise einen Abfall der Geburtenkurve. (1918 waren es 24,6, 1927 nur noch 20,6 Geburten.) Zweifellos sind wirtschaftliche Erwägungen bei den Entschließungen des Verzichts zur Kindererzeugung im einzelnen Falle im Spiele, aber es sollte festgehalten werden, daß nicht die Wirtschaftslage des Volkes, sondern die Wirtschaftslage der einzelnen Fa milien von Bedeutung ist. Das Geburtenproblem des V o 1 k e s muß zurückgeführt werden auf das Geburtenproblem der Familie. Mit dem Volksproblem sich zu befassen, dürfte von großem Interesse sein für Eugeniker, Bevölkerungspolitiker und für den Gesetzgeber, in unserem Kreise dürfte mehr das Problem der einzelnen Familie im Mittelpunkt der Erörterung stehen. Die Ursachen des Geburtenrückgangs können zunächst ungewollte sein. Man könnte an degenerative Vorgänge allgemeiner oder nervöser Art denken, die die Zeugungskraft des Volkes herabsetzen. In gleicher Weise könnte auch die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten wirksam sein, die m manchen Fällen Sterilität herbeiführt. Doch sind diese Faktoren für einen so plötzlich und rapide einsetzenden Absturz der Geburtenkurve unmöglich der bestimmende Faktor. Zweifellos bewirkt die Spätehe eine verminderte Fruchtbarkeit des Volkes, da die Nachkommenschaft eines vollen Jahrzehnts zeugungskräftigen Alters in Fortfall kommt. Sicher führt