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Jeschurun · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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98 Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. Ländern des westeuropäischen Kulturkreises einschl. Amerikas einen schweren Kampf um die Erhaltung des Bevölkerungsstandes. Hört man die Reden der Bevölkerungspolitiker, liest man die dickleibigen Schriften der Sozialhygieniker, so gewinnt man nicht einmal den Eindruck, als wenn dieser Kampf überhaupt rechte Aussichten auf Erfolg hätte. Die Verhältnisse in Deutschland seien in zwei Zahlen demonstriert: Im Jahre 1875 kamen auf 1000 Einwohner 39 Geburten, heute weniger als 20. Von gesunder Volksvermehrung kann da keine Rede mehr sein. Wenn man mit einem Durchschnitts׳־ todesalter von 50 Jahren rechnet, so ergibt das nach einer leichten Berechnung bei einer Bevölkerung von 1000 im Jahre 20 Todesfälle, es müssen also 20 Geburten als Minimum jahrlieh erfolgen, um den Bestand zu erhalten. Für die einzelne fruchtbare Familie werden von der Statistik hierfür 3—4 Kinder als Forderung berechnet.1 Spöttisch blickten die Deut-׳ sehen vor dem Kriege noch auf die sich um 20 bewegende Geburtenziffer ihres französischen Nachbarn, und heute haben sie selbst nur die Ziffer 18 aufzuweisen. Die Großstädte haben 13, Berlin nur 10 Geburten auf 1000 Einwohner. Wer heute noch die sozial-politische Forderung der Geburtenbeschränkung aufstellt, begeht einen unverzeihlichen Anachronismus. Heute redet man nur noch von ״Geburtenregelung“, und die ihrer Verantwortung bewußten Führer des Volkes denken dabei weniger an eine Geburtenverhütung als daran, wie man Mittel und Wege findet, um dem in allen sog. ״Kulturländern“ um sich greifenden Geburtenrückgang hemmende Dämme entgegenzusetzen. II. Die Ursachen des Geburtenrückgangs. Ueber die inneren Zusammenhänge des dar gestellten katastrophalen Geburtenschwundes ist begreiflicherweise viel untersucht und nachgedacht worden. Man konnte immer wieder beobachten, daß er in den obersten Schichten, besonders 1 Burgdörfer (״Soziale Medizin“ Nr. 2 1930) hält einen Durchschnitt von 3,4 Kindern für erforderlich.

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