Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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m Bücherbesprechungen 95 wurde und die Nachwehen der Anhängerschaft Sabbathai Zebis auch hier Erregungen und Kämpfe auslösten. Die Gefahren von außen und von innen, die Erduldung der steten Schröpfungen um der Austreibung, der Beschränkung der Rechte zu entgehen, den literarischen Antisemitismus eines Eisenmenger und Konsorten unschädlich zu machen, das alles oft genug geschildert, tritt uns hier in lebendigen Bildern entgegen, deren Ablauf man mit fieberhafter Spannung folgt. Gründliche Vertiefung in den Stoff spricht aus manchen scheinbar hingeworfenen Nebenbemerkungen. Daß die jüdischen Gestalten mit besonderer Liebe gezeichnet sind, daß das religiöse Leben in jener Weihe, wie sie in dieser Intensität nur jenen alten Zeiten eigen warj uns entgegentritt, daß mißverständliche Beurteilung jüdischer Bräuche} die sonst ״jüdischeErzählungen “ verunzieren.nicht verkommt, braucht bei diesem Autor nicht hervorgehoben zu werden. J. W. Der babylonische Talmud. Neu übertragen durch Lazarus Goldschmidt. Bd. I u. II (Berakhot bis Seqalim). Jüdischer Verlag 1950. In vornehmer Ausstattung und neuer Bearbeitung beginnt die Uebersetzung des Talmuds zu erscheinen, die Goldschmidt vor Jahren in einer Folio-Ausgabe veröffentlicht hat. Diese handliche Ausgabe wird weiteren Kreisen zugänglich sein und mehr als die vielen verdienstlichen Arbeiten auf talmudischem Gebiete, die neuerdings von Nichtjuden herausgegeben werden, dazu beitragen, eine Jahrhunderte alte Voreingenommenheit gegen den Talmud zu bannen. Alles ״Bedenkliche“ und ״Geheimnisvolle“ dieses Werkes liegt nun zutage. Daß es jedoch auch in dieser Uebertragung nur schwer möglich ist, dem Unkundigen schnell und leicht ein tieferes Verstehen des Talmuds zu vermitteln, liegt an der Schwierigkeit des Stoffes selbst* Wenn es also Juden und Nichtjuden gibt — und es gibt welche —, die voller Freude diesen Talmud in die Hand nehmen, um sich endlich einmal über dessen Wesen und Inhalt zu vergewissern, und schon bald ihn resignert aus der Hand legen, weil sie etwa die Eigenart der Themata des Seder Seraim enttäuscht, so mache man sich klar, daß der Talmud kein Roman ist, sondern ein wissenschaftliches, völlig disparate Stoffe behandelndes Werk. Und jede Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fragen fordert Entsagung und Ausdauer. Es wäre angebracht gewesen, sich in dem Vorwort,/ das in schönem Stil eine gedrängte Uebersicht über den Weg des Talmuds gibt, in ähnlichem Sinne zu äußern, um den Leser auf die Eigenart der Lektüre, die seiner wartet, vorzubereiten. Es wäre gleichfalls nötig gewesen, jedem Traktat eine Einleitung vorauszuschicken, die eine klare Uebersicht und eine ausreichende Erläuterung der wich-