Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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94 Bücherbesprechungen D. Paul Fiebig , Der Talmud, seine Entstehung, sein Wesen, sein Inhalt. Ed. Pfeiffer Verlag, Leipzig 1928. Der Stoff ist übersichtlich behandelt, das kleine Werk will nichts mehr als eine zweckmäßige Einführung allgemeiner Ärt bieten. Die im dritten Teil gegebenen Proben vermitteln eine bessere Vorstellung vom Inhalt des Talmuds, als es eine systematische Erfassung des so unendlich disparaten Stoffes erreichen würde. Der Stil ist flüssig, sympatisch berührt die Tendenz des Verfassers, den Leser für sein Thema wahrhaft zu interessieren. Es fehlt nicht an Literaturhinweisen, die dem Interessierten vorwärts helfen. Diese leichte Kost wird manchem munden. Nicht nur der christliche Theologe, auch jeder gebildete Laie erhält durch Fiebigs Werk wertvolle Aufklärung und Belehrung. —i. S. Schachnowitz, Feuerzeichen. Ein historischer Roman. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. 1928. Ein frommer Roman. Eine contradictio in adjecto. Das Ero״ tische braucht nicht im Mittelpunkt eines Romans zu stehen. Wird es aber berührt, dann erhebt sich die Leidenschaft, wir schauen in tiefe Abgründe. Ueberwindung in gewaltiger Seelenstärke, das Auf undAb des Kampfes, das Niederdrückende und Aufrüttelnd’e, das Heroische, das kann zum Vorwurf der Behandlung gemacht werden und letzten Endes in eine Wirkung ausmünden, die tiefes und echtes religiöses Empfinden ausiöst. vom באר הגדלהSchulch. Aruch jore deal! § 192 eindringlich eingeschärft על המנהג הרע שבהגד לא די זו שמדשיבין את חתן אצל הכלה הלא אף מחבק ומנשק אותה ואוי לעמים שכן דואות וכו, וכו, liegt für den Kenner auf S. 120 un׳d 127 zu Grunde, aber mit diesfer Forderung baut man keinen ,,Roman“ auf. Die weitere ,,Entwicklung“ des ,,Herzensromans“ zwischen R. Arje Löb und der Tochter R. Schmuei ist weder modern ״׳psychologisch vertieft, noch spezifisch jüdisch. Die Gefahr der Rückkehr eines Totgeglaubten (R. Arje Löb kehrt trotz aller beglaubigten Zeugnisse über seinen Tod zurück) und damit die Notwendigkeit der Ägunagesetze ist zwar mit aller Eindringlichkeit vor Augen geführt. Aber gerade der Umstand, daß alle Rabbinen hier den Widerstand gegen die Wiederverheiratung auf geben, überspannt den Bogen. Also — so muß der Leser schließen — bieten die Ägunagesetze doch auch nicht den genügenden Schutz. — Das Streben recht für das Verständnis aller zu schreiben, nimmt auch der Diktion oft ihre Wucht. Sehen wir aber von diesen Ausstellungen ab, so haben wir hier in einer historischen Erzählung ein ganz ausgezeichnetes Kulturbild jener Zeit, da R. Naftali Hakohen zum Frankfurter Rabbiner gewählt