Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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92 Zu ״Splitter und Balken“ den Brüder bald die Hände reichen? Es muß dahin kommen. Zu schwer ist die Lage der gesetzestreuen Judenheit, katastrophal die Gefahren, die ihr überall drohen, nicht zuletzt auch in dem wirtschaftlieh so daniederliegenden Deutschland. Um die Einigung muß sich jeder gesetzestreue Jude bemühen, der sich der Verantwortung bewußt ist. J. W. Zu ״Splitter und Balken“. (in Heft 9/10 des vorig. Jahrganges) Man wird unserem verehrten Dr. Kaatz darin beistimmen, daß ,,־Splitter und Balken im Äuge“ kaum vorstellbar sind. Die Rede-׳ wendung beruht m. E. auf einem Mißverständnis; die griechischen Uebersetzer wußten nicht, was בין עיניך bedeutet. Dessen Bedeutung geht aber klar hervor aus 5 M 14! תשימו קרחה בין עיניכם Genau ״zwisehen den Äugen“ an der Stelle, wo Nase und Stirn sich berühren* sich eine Glatze zu machen, ist unmöglich; denn diese Stelle ist bei allen Menschen kahl, selbst bei denen, die buschige Äugenbrauen haben. Es kann also damit nur ein Ort gemeint sein, wo Haarwuchs ist: die Mitte des Vorderhauptes oberhalb der Stirn. Sinngemäß erklärt daher die 7^1^0ב״עח als ק׳ שמוחו של תינוק רופם»' als die Stelle, wo bei Neugeborenen noch die Bewegung der Hirnmasse wahrnehmbar ist, die Schädeldecke noch nicht knochenhart geworden ist, weshalb die תפילין ש״ר nicht an die Stirn,{ sondern oberhalb derselben auf das Vorderhaupt zu legen sind und bei denen, die noch ihre ursprüngliche Haarfülle haben, auf diese selbst. Äuch Dan. 8, 5, 21 kann nur die Mitte des Vorderhauptes gemeint sein. Ein Horn zwischen den Äugen — das gibt es nicht; dort wird auch die ausschweifendste Märchenphantasie kein Horn wachsen lassen. Jedes Horn sitzt auf einem sogenannten Stirnzapfen, einem Knochenfortsatz des Schädels. Demgemäß möchte ich R. Tarfon״s Äusspruch folgendermaßen erklären. Er betont die Schwierigkeit der Erfüllung des Gebotes הוכח תוכיח את עמיתך* Jeder tut, was recht ist in seinen Äugen, hält sich in törichter Ueberhebung für weise, will keine Belehrung und kann keinen Tadel vertragen. Sagt man zu seinem Nächsten: ״JD11, lieber Freund, ich glaube, du bist im Irrtum, deine Änsichten sind unbegründet, es liegt wohl ein Span auf deinem Hirn“, so erhält man die Antwort: ״Im Gegenteil, du irrst dich, deinen Hirnschädel belastet ein B a Ik e n“. Jos. Cohn - Hamburg.