Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Diskussion Landau - Wolfsberg 91 Sachverhalt zu besinnen und nicht wiederum (s. S. 84 ff.) gegen die Ueberschätzung einer im Grunde erstrebten Ideologie zu kämpfen. Warum wird nicht allein betont, daß es immer nur auf die Leistung ankommt, und daß aus der Totalität des Judentums als Religion — wohl ist, wie W. richtig betont,־ das Religiöse kein zureichender Begriff für alles Jüdische, wohl aber für den Kern alles Jüdischen — ein Schaffen im Zionismus möglich und nötig ist? Mögen andere ein halachisches Prinzip dermaßen in den Vordergrund stellen, daß diese Möglichkeit nicht gegeben ist! Morgen andere anders ,,denken“, Ihr aber schafft! Wäre es so, dann würden Landau’s Bedenken unbegründet sein, wie es auch sein Wunsch nach misrachistischer Ideologie ist. Gerade weil das Religiöse unduldsam ist, weil es, um mit Spranger zu reden: ״den Totalsinn des Lebens“ bedeutet, weil es, um mit unseren Weisen zu reden heißt כל מעשיך יהיו לשם שמים bedarf es keinerlei Ideologie für irgendeine traditionell-jüdische Organisation. Mit Recht lehnen auch L. und W. Versuche, wie sie von agudistischer Seite unternommen werden, ab. Genau genommen, liegt hier eine Assimilation, ein Mangel an jüdischem Selbstbewußtsein vor, an dem wir westeuropäischen Juden alle kranken. Aber die Zusammenfassung gesetzestreuer Juden zu einer Organisation wird stets problematisch bleiben. Wahre Religion ist immer individuell, denn der echte Jude ist nur der, der seine Lebensaufgabe als eine persönlich-religiöse auffaßt, als ein Mühen um die Vervollkommnung des eigenen Selbst im Hinblick auf das Göttliche, das stets fordernd und mahnend vor ihn tritt. Daß aber die Zeit im Interesse dieses wahren Juden eine Zusammenfassung der Kräfte, eine Organisation erfordert, ist Tragik. Denn Gemeinschaftsbildung bedeutet immer Einschränkung des Einzelnen. So lange wie wir Staat und Land hatten, führten uns begnadete Männer, die das Interesse des Einzelnen auch im Summarischen zu wahren wußten. Je weiter wir auf unsere Zeit zurückgehen, desto seltener sind jene religiösen Genies und ihre sichere Führung. Daß Organisationen, wie Misrachi und Aguda, jede in der ihr als maßgebend erscheinenden Richtung, die Kräfte sammeln, ist eine p r a k t i s c h e Notwendigkeit. — Und beide können das erörterte Problem nicht läsen. Sie sollten es jedoch Im Interesse einer wahrhaft jüdischen Arbeit klar überschauen und nicht zu Ideologien greifen. Freilich, das scheint mir persönlieh sicher, auch die Frage der Besiedelung Erez Israels ist im Sinne des historischen Judentums besser aufgehoben bei einer Organisation, die alle gesetzestreuen Kräfte sammelt, um des religiösen Heils des Einzelnen, d. h. der jüdischen Gesamtheit willen. Hier findet auch Erez Israel seine rechte Fürsorge. Ob sich die streiten-