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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 90

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 90 (sequence 92)
Language
German
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90 Zur Diskussion Landau - Wolfsberg ich, daß den Lesern nach der Bereinigung vom Formalen, die die Diskussion in der zweiten Ärtikelgruppe erfahren, Unklarheiten über die Gegensätzlichkeit der Auffassung geblieben sind. Jedoch ist an die Ausführungen über den Misrachi anzuknüpfen, um die Momente herauszustellen, die für das uns eigentlich allein interessierende Problem von Wichtigkeit sind. Für Landau ist es eine Mission (S. 529) des Misrachi, den Zionismus mit dem historischen Judentum in Verbindung zu halten. Er spart nicht mit Lob für die Leistungen und für die Menschen des Misrachi, aber er vermißt bei ihnen die Besinnung auf die ideologischen Grundlagen. Das Programm Thora und Land kann nur als praktische Losung bewertet werden, in ideologischer Hinsicht liegt hier eine gefährliche Gleichsetzung vor; denn das ,,Religiöse ist schlechthin unduldsam“. Alle großen Dinge der Welt können nur aus ,,einem Zentrum, einem Prinzip, einer Idee geboren und gestaltet werden“. Was nach Landau auch die nichtzionistische politi— sierende Orthodoxie vergißt. Woiisberg sucht die Ideologie des Misrachi zu umreißen. Der Niisrachi sehe im Zionismus (S. 83) ,,das irdische Instrument, das Menschen zur Handhabung zugängliche Werkzeug, um Irdisches mit unmittelbar metaphysischer Bedeutung zu vollbringen“. Keiner der das unmittelbare Ganze: Judentum konstituierenden Faktoren dürfe vernachlässigt werden. So sind Lehre, Land, Volk nicht von absoluter Aequivalenz, aber alle von Äequinecessitas. Wolfsberg gibt zu, daß ״die ideologischen Bemühungen noch nicht befriedigend sind“. Von einer Gleichsetzung könne aber nicht die Rede sein, da der Misrachi mit solchen Formulierungen nur die ihm gewordene, besondere Rolle umschreiben will, da er sich nicht mit dem Judentum identifiziere« Im Uebrigen sei vor einer Ueberschätzung von Ideologien zu warnen, es käme auf die Leistung an. Wir glauben durch diese Gegenüberstellung der grundlegenden Bemerkungen über misrachistische Ideologie erweisen zu können, daß die Religion als Totalität Ausgangspunkt für Landau nicht aber für Wolfsberg ist. Es steht außer Zweifel, daß W. mit Prämissen nicht nur an die Klärung der misrachistischen Ideologie, sondern auch an das Judentum als solches herangeht. Das hat seinen Grund in dem Zwang, der für den Misrachi besteht, sich mit dem Verhältnis Religion — Nationales begrifflich auseinanderzusetzen. Nachdem einmal eine gesetzestreue Partei, die um reiner Praxis willen (und auch die Totalität religiöser Betätigung ist ein praktisches Ziel) sich bildete, im Zionismus Fuß gefaßt und eine bedeutsame Stellung errungen hat. Es wäre besser gewesen, und auch für die Stellung Wolfsbergs in dieser Diskussion wäre es besser״ sich klar auf diesem

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