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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 88 (sequence 90)
Language
German
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88 Zionismus tig sind. Und ebenso ist die nationale Einheitserziehung in meiner Vorstellung kein Ideal, sondern mehr weniger eine staatliche Notwendigkeit. Wo immer ein Volk geistig auseinanderstrebt, ist es Aufgabe des Bildungsministers, des Kultur- Politikers, Wege der Vereinheitlichung zu finden, um das Auseinanderfallen der Teile zu vermeiden. Nicht an den großen Entscheidungskampf der Geister dachte ich, den keine Behörde gängeln kann noch soll. Sondern an die Aufgabe des höchsten Beamten für Unterricht, und da will mir scheinen, daß jeder mit planmäßigem Handeln und Trachten an die Arbeit Gehende ähnliches anstreben muß wie ich. Ein Volk in einem Lande muß erzieherisch in einem gewissen Minimalprogramm geeint sein. Die Differenzierung, der Ausbau, der besondere weltanschauliehe Hintergrund jeder Gruppe bleiben selbst der scheinbaren Gleichheit dieses Unterbaues erhalten. Aber das ist nicht jedem Kind und Vater stets gegenwärtig und soll es nicht sein. Auch mein Glaube, es könnte diese Schulpolitik über Schule und primitives Leben, gleichsam erster Stufe, hinaus Bedeutung für die Linienführung unserer geistesgeschichtliehen Entwicklung erhalten, scheint mir nicht abwegig. Hier wird weder der ernste Kampf sehr weit auseinander klaffender Richtungen unterbunden noch verkannt, wohin unsere traditionelle Grundeinstellung uns zu steuern nötigt. Und doch will es mir scheinen, daß durch eine Schulpolitik meiner Tendenz — die hier nicht näher ausgeführt werden soll, die aber mindestens im Inhalt eine Annäherung an die Ueberlieferung bedeutet hätte — eine günstige Vorarbeit für ein Verstehen geleistet würde. Verstehen heißt hier nicht: Billigen. Wohl aber schafft jenes die Bedingungen für die Ausschaltung grober Mißverständnisse und des ewigen aneinander Vorbeiredens. Jeder würde die Position des anderen klar erkennen — und könnte dann erst mit Aussicht auf Erfolg argumentieren. Doch ich breche hier ab. Denn es kann hier nicht alles zum Austrag gelangen. Gerade das letzt berührte Problem verdient gründlichste Behandlung — und vorher gründliche denkerische Ueberlegung.

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