Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus 87 Dialektik ist keinem zu verwehren. Es muß aber der jüdischen Welt der Unterschied klar werden zwischen letztem Einsatz an Kraft, der sich in einer großen Tat manifestiert, und relativ unfruchtbarem Urteil, das von ferne seine Meinung dazu sagt. Ohne Kritik, Theorie, Einsamkeit und Kontemplation im geringsten zu unterschätzen — vielleicht liegen die wenigen Gaben, die mir zuteil wurden, gerade hier — muß, sofern man überhaupt geschichtliches Werden der Beachtung wert befindet, dessen Gesetzlichkeit aus ihm selbst heraus verstanden, nicht aber — von letzten, großen Apriorismen abgesehen — ihm aufgenötigt werden. Hier tritt Phaenomenologie in ihre Rechte. Kurz sei die Verkennung der Stellung des Misrachi im Zionismus nochmals berührt: Trotz allen apodiktischen Behauptungen Landaus — die auch sonst sich oft einstellen, wo die Beweisführung schwach ist (z. B. ,,es ändert nichts an der Tatsache“ . . . ,,es ist nichtsdestoweniger unbezweifelhafte Wahrheit“ . . .) — ist das Ansehen des Misrachi im Wachsen. Ich erspare es mir, den wahrhaft klassischen Satz Landaus: ״Achtung ist immer direkt proportional der Kraft, die sie hervorruft“ näher zu beleuchten. — Ebenso widerstrebt es mir, nochmals meine eigene Rolle zu behandeln. Ich weiß Landaus sehr warme Worte an meine Adresse wirklich zu schätzen. Wenn seine Erwartungen da zutreffen, wäre cs für den Misrachi so belanglos gewesen, wenn meine Tätigkeit zur Entfaltung gekommen wäre? Und nun sind statt meiner — freilich in anderen Ressorts (jedenfalls teilweise) — andere bewährte Misrachisten. Niemals ist im politischen Leben ein Erfolg lediglich persönlicher Natur; zwangsläufig wird er der Gruppe zuteil. Hier ist das Individuum immer Exponent, bewußt und unbewußt. Es ist übrigens ein Irrtum Landaus, wenn er glaubt, daß ich dem geistigen Pazifismus verfallen sei. Ich meide den Kampf durchaus nicht. Nur meine ich, daß auch nach Lage der Dinge überzeugende Einwirkung, ruhige Geltendmachung des Standpunktes und kontinuierliches Wirken nicht unwich-