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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 82 (sequence 84)
Language
German
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82 Zionismus gang muß jedenfalls mit der Möglichkeit rechnen, daß es keine Erholung in der Zerstreuung mehr gibt, daß der Prozeß des Verfalls nicht mehr aufzuhalten ist. Man kann diese Mein u n g für irrig halten, kann aber — diese Prognostik einmal angenommen — die Methode des Zionismus nicht für abwegig erklären und als illusionistisch bezeichnen. Daß die Diplomatie des Zionismus ein Symptom illusionistischer Politik sei und aus der unmittelbaren Erbschaft Herzls stamme, dessen Illusionismus uns noch beherrsche und daher die Gleichsetzung von heutiger und einstiger Phase gestatte, kann nur aus Unkenntnis oder Voreingenommenheit gesagt werden. Ällen Rückschlägen zum Trotz ist unser Werk gegründet und weit gediehen; und das verdankt es — nächst den tiefsten Kräften unseres Volkes — dem diplomatischen Geschick unserer Führer, Ich glaube, hier müssen, trotz aller Verschiedenheiten, die Namen Herzl und Weizmann neben einander stehen. Die Anomalie unserer Lage hat uns kein anderes Mittel gelassen, als Diplomatie — natürlieh großen Stils. Glücklicherweise ist uns dieses Desiderat nicht unerfüllt geblieben. Größeres hat kein Volk mit solch geringen Machtmitteln und ״Positionen erreicht. Und vergleiche ich die Staatskunst eines Weizmann mit den Ambitionen anderer Juden auf politischem Gebiete, so weiß ich, daß die große Linie und Kraft der Intuition bei unserem Führer ist. Eben weil das Ziel weit gesteckt ist, kann heute weder der Einzelne noch die Gesamtheit letzte Erfüllung und Befreiung finden. Es liegt im Wesen der Menschen, die Zionisten geworden sind, ohne von der Tradition herzukommen, daß Zion für sie nicht Losungswort eines seit grauer Vorzeit festgefügten Programms des Gottesdienstes und der Gotteserkenntnis ist. Die endgültige Wandlung der Menschen, ihre Rückkehr zum Gott Israels, Erez Israels bezwingende Vorbildlichkeit für die Gesamtjudenheit, der von dort ausgehende magische Zwang zu einem gottgeweihten Leben, das entschlossen an die große jüdische Ueberlieferung anknüpft — das alles will Zeit zur Reife haben. Wir aber meinen — im Geiste des alten

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