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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 81 (sequence 83)
Language
German
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Zionismus 81 Investierung unserer Kraft in Palästina der jüdischen Gesamtheit und Zukunft größeren Segen bringen wird als gleiche Anstrengung in der Zerstreuung (für die übrigens die seelischen Voraussetzungen fehlen), so haben wir uns entschieden. Es ehrt den Zionismus, daß er die Fähigkeit der Entscheidung hat. — Es ist übrigens billig, einen Vorwurf wegen mangelnder Leistung in der Galuth gegen den Zionismus zu erheben und ihm etwa Untätigkeit auf dem Gebiete der Wanderungs- und Siedlungspolitik unter nationalen Gesichtspunkten für die ganze Welt vorzuwerfen. Ich könnte dem tatsächlich entgegenhalten, daß wir Juden — und damit auch wir Zionisten — leider nicht Herren dieser Situation sind: die Immigrationsbestimmungen der angelsächsischen und lateinamerikanischen Länder stehen den besten Absichten aller auf diesem Gebiete Tätigen entgegen, und es ist nicht angängig, die schwere Situation uns zur Last zu legen. Aber in diesem Zusammenhang ist die grundsätzliche Position bedeutsamer: Der Zionismus kann ebenso wenig wie irgend eine andere Gruppe im Judentum das Judenproblem und die Judennot blitzartig im ganzen Umfange lösen. Er erstrebt eine Lösung von einem bestimmten Zugang her, will durch seine große Konzeption und die ihr geliehene Aktivität einer neuen Dynamik Wegbereiter sein, durch die prinzipiell und — womöglich — auch faktisch in weitestem Ausmaß die jüdische Tragödie in ihrer für die Exilsgeschichte bezeichnenden Form einen Abschluß erhalten soll. Dieser Weg des Zionismus ist vielleicht nicht dem Geiste der Phil ant h r o p i e ganz entsprechend, aber er ist dem Geiste der Geschichte adaequat; er allein darf für sich in Anspruch nehmen, historisch ernst genommen zu werden. — Gewiß könnte eine starke Diaspora Palästina am besten (materiell!) auf bauen; das ist nicht so paradox. Aber hier verkennt Landau ganz die Wirklichkeit. Es gibt keine gesunde Diaspora, und vielleicht konnte nur die kranke, schwerem Siechtum verfallene, todesmutige den tollkühnen Entschluß fassen, ihr chronisches Kranksein nicht weiter liebevoll zu kultivieren, sondern endgültig zu erledigen. Die große Renaissancebewe-

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