Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80 , Zionismus tude gerechtfertigt, ja mehr noch: als notwendig geschaut; mit dem zusammenfassenden Begriff: Illusionismus, von Herzl verschuldet, vom Zionismus als Erbgut übernommen und gehegt, will Landau den zionistischen Weg als verfehlt kennzeichnen. Ich habe schon manches zur Widerlegung im Vorangehenden gesagt. Aber es bleibt noch einiges zu konstatieren übrig. Daß die höhere jüdische Wirklichkeit vom Zionismus völlig verkannt, die große Sendung und der Sinn des jüdischen Seins dem schlechthinnigen Sein geopfert wurde, läßt sich ja in dieser Allgemeinheit schon deshalb nicht aufrecht erhalten, weil zahlreiche Protagonisten der Bewegung keinen Augenblick auf die höchste Zielsetzung verzichten. Sodann gilt hier alles früher Gesagte von Bescheidung, von schrittweisem induktiven Vorwärts- und Aufwärtsstreben. Es gibt eben Momente in der Geschichte einer Nation, wo die nackte, primitive Existenz so gefährdet ist, daß sie zu einer Vertagung der höheren Stufen vorübergehend berechtigt. Wir beginnen mit dem Bau von ירושלם של מטה and auch der Midrasch läßt dieses irdische Jerusalem dem himmlischen vorangehen. Neuere, volksfremde und kalte Ideologen haben Begriffe (wie mir scheint: nicht vollziehbar) wie Seins- und Sollensnation geschaffen und diese zu ungunsten jener allein für würdig befunden. Ich weiß nur eines: diese Konzeption in der Hand von Menschen, denen fruchtbare Gestaltung versagt ist, die niemals vom Genius der Geschichte begnadet wurden, ist geeignet, die Nation (sc. die Seinsnation) zu vernichten ואם ישראל יאיץ תורה למה Das sind dekadente Gedankengänge, philosophisch schwach, vom Standpunkt des Schaffens am Webstuhl der Geschichte aber verderblich. Der Logos unserer Geschichte hat sich dieser durch den Zionismus charakterisierten Phase bedient, um das Leben der Nation zu perpetuieren. Möge man es vom religiös-geistigen höchsten Standort aus eine ירידה nennen, dann ist es gewiß eine יירידה לצורך עלי׳ Noch bevor ich Zionist war, habe ich im ״Jeschurun“ einmal die zionistische Bewegung als Schutzreflex des Judentums bezeichnet. Eine Tragik ist es, daß wir nicht dieselbe Kraft in der Diaspora ansetzen können. Da wir aber überzeugt sind, daß die