Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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78 Zionismus Ob man will oder nicht: Die Stellung zum Zionismus ist aufs engste mit der zum Separatismus — im weitesten Sinne — verknöpft. Wer den Zionismus anerkennt, hat sich vom Tren״ nungsgedanken losgesagt; wer den Zionismus ablehnt, verharrt noch im Bannkreis der Trennung. Es gibt scheinbare Uebergänge und mancherlei Fehlleistungen — aber darauf kommt es nicht an. Trennung ist ja hier auch nicht als eng״ umschriebenes, hie oder dort verwirklichtes organisatorisches Programm verstanden, sondern als Gesinnung, Stimmung (posi״ tiv und negativ, also auch als Trägheit). Wesen und Sinn der zionistischen Bewegung erfordern Konzentration. Der Zionismus darf sich rühmen, poli״ tisch den archimedischen Punkt des Judentums gefunden zu haben. Diese Selbstbescheidung gibt dem Zionismus die cha״ rakteristische Physiognomie — gibt ihm auch Angriffsflächen. Er mußte, um möglichst viele um die Fahne zu sammeln, sich auf das Baseler Programm beschränken und jene Neutralitat üben, die ihm so verargt wird. Aber wie anders soll man den Differenzierungen gerecht werden, die doch keiner aus der Welt schaffen kann? Alle, denen es ernst um die traditio״ nelle Religiosität ist, werden zu kämpfen haben, um einen Um״ schwung der Gesinnung herbeizuführen. Aber das ist die Arbeit größerer Zeitstrecken. Der Primat Palästinas — und wenn man so will: die Verneinung der Galuth — ist Vorbedingung für die Durchführung zionistischer Tendenzen auf Grund historischer Einsichten. Nur wenige versteifen sich heute auf Verneinung der Diaspora. Sie ist, als Tendenz un״ mittelbaren Wirkens, nie im Vordergrund gestanden, wird heute völlig preisgegeben (ich sehe von eigenwilligen Theoretikern ab). Daß aber gedanklich die Aufrichtung der Heimat und die Heimkehr, im umfassenden Sinn, eine Entthronung, ja fast eine Aufhebung der Galuth bedeutet, muß ich zugeben. Natürlich werden Juden, viele Juden draußen wohnen. Aber das wird ganz anderen Charakter haben: Die Judenheit wird nicht mehr im Exil sein, das jüdische Volk wird seine Heimat wieder haben, das Judentum wird nicht fürder entwurzelt sein.