Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus 77 ordentlich starke Bindungen, erkannten ihren Platz in der Welt, wurden Opfernde, rührend ergebene Söhne des Volkes, treue Bewahrer seiner Ehre, Hüter wertvoller Kulturgüter (wenn auch sehr oft nicht aller und selbst der entscheidenden): ihre Produktivität verblieb ihrem Stamm, ja wurde nicht selten erst durch dieses Sichfinden wach. Ei,ne gewaltige Heimkehrbewegung stellt sich uns dar: der verlorene Sohn kehrt heim ins Vaterhaus. Es ist naiv oder verständnislos, angesichts dieses gewaltigen Phänomens, das wie eine Lawine alles mit sich reißt, die noch ausstehenden Leistungen in den Vordergrund zu stellen. Der Zionismus, selbst eine Bewegung von religiösem Gehalt und religiöser Kraft — Weizmanns Reden geben oft davon beredte Kunde — hat noch als Gesamtgebilde nicht zu der großen geschichtlichen Linie der jüdischen Tradition gefunden. Das ist ein gewaltiges Manko. Aber es ist, trotz allem, nicht verwunderlich. Das ist das Letzte und Größte, das zu vollbringen ist. Wann und durch wen es gelingt — מגלגלין זכרת ע׳־׳י זכאי— das ist verborgen. Nur daß es gelingen muß, steht für uns außer Zweifel. Bis dahin begrüßen wir es, daß soweit von der Ueberiieferung Abgewanderte so stark und entschlossen sind im Willen, eine auch in religiösem Betracht kardinale Aufgabe wie die Wiederaufrichtunjg unserer Heimat und Erhöhung der Lebenskraft unseres Volkes mit fanatischer Entschlossenheit in die Hand zu nehmen. Unterdessen hat eine neue Solidarität im jüdischen Volk all die erfaßt, die an der zionistischen Aufgabe mittun. Sie ist nicht lediglich eine zweckhafte Annäherung, sondern die Erneuerung eines ethischen Wertes, der immer jüdisches Postulat war, aber bei fortschreitender Konfessionalisierung immer mehr verkümmerte. Jetzt ist wieder legitim jeder Jude Bruder, weil er ja Sohn des Volkes ist. Legitim ist jetzt die Nähe auch zwischen Menschen, deren Verhältnis zur Halacha sehr verschieden ist. Eine gewaltige Klippe ist damit umschifft: die Dezimierung der Judenheit, die durch das vergangene Jahrhundert angebahnt war.