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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 75 (sequence 77)
Language
German
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Zionismus 75 weit. Entfremdete Juden aller Länder, im Flußbett der Assimilation treibende Ässimilanten, aber auch Juden bester alter Prägung,im Religiösen beheimatet und verankert, der Tradition treu ergeben und um deren Schicksal besorgt, folgten dem Ruf. Zionsliebe und -Sehnsucht, aus alter ungebrochener Glut oder auch aus Romantik geboren, und Erkenntnis, daß das individuelle Verharren im Judentum nur durch beherztes Bekenntnis zur Nation, die wieder aufgerichtet werden und in der ewigen Heimat wieder Wurzeln schlagen müsse, sinnvoll und aussichtsreich gestaltet werden könne, trafen zusammen. Das Erwachen des historischen Instinkts, das Aufsteigen aus dem dumpfen Dahinleben in die Region des lichten Begreifens zauberte urplötzlich und schnell eine Bewegung hervor, die eine neue jüdische Front schuf. Nicht Gleichgültigkeit gegenüber der großen religiösen Tradition ließ die alter! Frommen im Zionismus über die großen Gegensätze und die Gefahren hinwegsehen — überhaupt übersah man nicht. Hier aber wurde zum ersten Male in der jüdischen Exilsgeschichte Wirklichkeit, was hin und wieder in den Weisheits- Worten unserer Alten leise angestimmt war: die Würde des jüdischen Volkes und die Bedeutung seiner Integrität. Die Aufrichtung der zionistischen Hoffnungen und jeder Schritt auf dem Wege zu ihrer Verwirklichung sind ein Bekenntnis zum Lebensrecht der Nation. Damit ist in keiner Weise in Abrede gestellt, daß die Nation nur um einer großen Aufgabe willen lebt und ihren schweren Weg gehen muß. Wohl aber ist zum Ausdruck gebracht, daß jetzt allem Jüdischen und nicht zuletzt der Sache der Tradition, größte Gefahr droht, wenn nicht die physische Existenz der Nation gesichert wird. Es ist für diese Untersuchung nicht nötig, die jüdische Geschichte und Geschichtsphilosophie sowie unsere Dogmatik darauf hin zu prüfen, wie sonst und bisher die Problematik, die sich um das Verhältnis von Volk und Thoraleben rankt, gelöst oder bewertet wurde. Vielleicht stehen wir wirklich vor einem neuen Abschnitt der jüdischen Geschichte (dennoch ist die Parallele zur Äera Esras sehr stark). Gerade Irrationalisten

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