Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus 73 Zauber der Persönlichkeit muß ein pseudowissenschaftlicher Exkurs herhalten und Herzls grobe Mängel erweisen. Ueber Illusionismus soll unten gehandelt werden. Seine Unzulänglichkeit auf dem großen politischen Gebiete kennen wir nun jetzt! Immerhin hat Herzl die Bewegung aus dem Boden gestampft, die Anhänger geschult und vorbereitet, hat sehr präzise Vorstellungen vom Charter gehabt, hat bedeutsame nationale Institutionen geschaffen — und doch nur 7 Jahre — vom ersten Kongreß bis za seinem Tode — zu wirken vom Schicksal Frist erhalten. Noch ist trotz aller Daten aus seinem Leben sein Weg e i n großes Rätsel. Er wird wirklich künftigen Geschlechtern noch viel undeutbarer und verhüllter erscheinen als uns. Noch mehr als wir werden unsere Nachfahren das Los preisen, das uns zuteil ward, und den adeligen Führer bis ans Ende der Zeiten rühmen, der mit nachtwandlerischer Sicherheit, im Bewußtsein fremd dem innersten Streben der Nation und doch rätselhaft nahe, ohne klare Kenntnis der Sendung des Volkes und doch der einzige, der den Hebel bedienen konnte, um eine geschichtliche, von innen her geforderte Wendung herbeizuführen, den einzigen Weg wies. An ihm bewahrheitete sich das Wort: יש הוגה עולמי בשעה אהת In der Stunde seiner — fast mystischen — Umkehr, die metaphysischen Rang hat, war seine historische Rolle besiegelt, und alle Mängel und Fehler, die sonst an ihm haften, fallen von ihm ab, wenn man des gewaltigen Unfaßbaren gedenkt, das er vollbrachte. Aber auch nach der großen Entscheidung ist sein Leben reich an Können und Wollen und überreich an Opfern und sittlicher Tat. Unser Kritikus versagt gegenüber dieser Gestalt. Er fordert auf Schritt und Tritt Würdigung des Irrationalen, Blicke hinter die empirische Gegebenheit und bleibt Herzl gegenüber doch ganz im Bezirk des Nörglertums. Aber er dekretiert, wie auch anderwärts, daß wir ,,uns nur klar werden wollen über die Dinge, wie sie wirklich sind“. Du lieber Hirnmel, als ob nicht gerade das kontrovers zwischen uns wäre! Wir sehen die Wirklichkeit verschieden. Es ist umso schwerer,