Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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72 Zionismus Daß hier kein willkürlicher Weg oder belangloser Seitenpfad beschritten wurde, sondern ein Schicksalsweg des jüdischen Volkes, soll deutlich werden. Auf Grund dieser Einstellung brauche ich nicht erneut in die Polemik über Herzls Gestalt und Größe einzutreten, so gern ich in Ausführlichkeit meine Auffassung derjenigen Landaus entgegengestellt hätte. Hier genügen wirklich einige knappe Bemerkungen. — Die ganze höchst eigenartig anmutende Abhandlung über Helden und Heldenverehrung 1m Judentum ist nur ein mißglückter Versuch Landaus, eine Heldengestalt zu entthronen. Ich könnte die ganze Schwäche der Beweisführung deutlich machen, wenn nicht Wichtigeres auf der Tagesordnung stände. Landau muß erst die Verworrenheit unserer Zeiten herbeibemühen, um den sonst so untrüglichen Instinkt des Volkes zu exkulpieren, der sich umnebeln ließ und der Gestalt Herzls Platz in der vordersten Reihe der jüdischen Heroen gewährte. Diesen ihm nicht gebührenden Ruhm duldet Landau nicht, und es entbehrt nicht eines pikanten Reizes, wie unser Autor einen heiligen Krieg zur Zer- Störung einer Legende führt. Ich weiß von sehr großen, sehr klugen Rabbinern, die die Herzl-״Legende“ mitschufen und zu den enthusiastischsten Verehrern des Erweckers der großen Bewegung zählten; der unvergeßliche Klausenburger Raw gehörte zu ihnen. Aber was bedeutet das? Namen — auch noch so verehrungswürdige — sind vielleicht kein Argument, werden jedenfalls vom Gegner abgelehnt, sind je nach Bedarf weltfremd, naiv oder gelten als angekränkelt. Uns aber sind sie so wert wie ihre Kritiker, und wir gehen im Gleichschritt mit ihnen hinter dem großen Führer. Es gilt wohl als ein wenig ketzerisch, Größe im Bereich der nichtorthodoxen Judenheit zu bejahen. Hier liegt die verborgene Furcht vieler, und alles, was gegen Herz! ins Treffen geführt wird, ist nur vergebliche Kraftanstrengung, um mit Argumenten zu belegen, was in Wirklichkeit einer — vielleicht unbewußten — Angst entspringt. Statt unbefangener Würdigung des Großen, anstelle bereitwilliger Hingabe an den