Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 71 (sequence 73)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2292929-2293072-2293073--10908-2304207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zionismus 71 rechtigung der Schau erweist. Subjektiv kann eine Deutung gewiß ehrlich und tief gefühlt sein. Wer aber gibt Gewähr, daß sie Allgemeingültigkeit beanspruchen darf? Für mich folgt daraus, daß man noch kein Philister zu sein braucht, um bescheiden und anspruchlos zu schreiben und zu be~ richten. Der Leser will ja doch mehr ein Geschehen erfassen und verstehen, als die Psyche des Autors. Nicht um Kunst geht es hier, um die Erkenntnis eines Temperaments, gesehen durch die Welt und ihren historischen Prozeß, sondern um Wissen, das die Welt, allenfalls gesehen durch ein Temperament, uns nahe bringen und verständlich machen soll. Deshalb ziemt uns allen größere Zurückhaltung. Es ist wirklieh nicht von großem Wert, in diesem Zusammenhänge die Rolle der Satire zu skizzieren. Das verstehen auch wir bescheideneren Geister und wußten auch früher einiges darüber. Aber die Bedeutung von Pathos und Satire zugegeben: man kann auch ohne Akzentuierung dieser Faktoren ein ganz gediegener Autor sein und kann diese Formen der Darstellung, wie Landau selbst zugibt, mißbrauchen. Ist man ganz sicher, niemals zu straucheln? II. Es wäre sehr leicht, in der Diskussion über die Themen Zionismus, Herzl und Misrachi, die Argumente und Gesichtspunkte Landaus der Reihe nach zu erledigen. Der Gang der Debatte zwingt mich übrigens, oft genug auf den letzten Aufsatz Landaus zurückzukommen. Aber grundsätzlich soll mein Weg ein anderer sein. Es soll — so ist jedenfalls meine Absicht — dem Leser, der sich nicht eindrucksvollen historischen Entwicklungen völlig verschließt und sich nicht von allem entsetzt abwendet, was im jüdischen Volke seit Beginn unserer Renaissance geschah, das Neue und Große vor Augen geführt werden, das der Zionismus gezeugt und zu schneller und — wie mir scheint — grandioser Entfaltung gebracht hat. Daß man in neuen Kategorien denken muß, um hier verstehen und folgen zu können, ist meine Absicht zu zeige;!.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.