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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 70 (sequence 72)
Language
German
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70 Zionismus Aber ich habe ja nirgends gefordert, daß Landaus Dar״ Stellung sich auf eine trockene Wiedergabe der Verhandlungen mit einem nichtssagenden, umrahmenden Kommentar, der kei״ nem etwas gibt, hätte beschränken müssen. Was ich tadelte, war eine gewisse Willkür den Tatsachen gegenüber, Mängel in der Wiedergabe der Fakta, zu geringe Bewertung der Ge״ schehnisse als des unentbehrlichen Substrats. Statt Respekts vor den Ereignissen, die als solche viel imposanter waren, als Landau zu meinen scheint, und oft genug das Signum des Historischen — im Sinne des Bedeutsamen, Bleiben״ den, unser Schicksal Bestimmenden — trugen, fand ich ein Ueberwuchern des vorschnellen Wertens, ein Uebermaß an Voluntarismus, Hinneigen zum Affektiven, wo Strenge des Denkens am Platze gewesen wäre. Die Rolle, die Landau dem ernsten Publizisten, und damit sich selbst, zuerteilt, ist ge״ waltig und erhaben. Aber es ist nicht jedermanns Sache, die Probleme hinter den Dingen zu sehen und die, von denen nicht gesprochen wurde. Ganz gewiß kann man sich ungern ein irren und gar sehr täuschen. Mir darf es aber keiner verübeln, wenn ich keinen blinden Glauben und absoluten Respekt habe vor dem, was selbst ein begabter Mensch als die Fixierung des ״geschichtlichen und philosophischen Ortes der Ereignisse innerhalb großer Zusammenhänge“ (Landau) bezeichnet. Es ist gewiß etwas Großes um Sinndeutung und Zusammenschau, und ich bin der Letzte, der diese geistige Schau verachtet. Aber sie setzen eine sehr peinliche Kenntnis und skrupulöse Verwertung des Tatsachenmaterials voraus. Und ein anderes ist ebenso notwendig: Distanz. Wer von Tag zu Tag dieEreignisse in ihrer tiefsten Bedeutung erfassen, wer von der empirischen Geschichte zum Sinn der Historie aufsteigen will, der gerät gar leicht in ein Auf und Ab der Deutung, das dieses ernsteste Unterfangen diskreditiert. Spielerei und billige Exegese darf sich hier nicht einschleichen. Alle Deutungen sind im strengen Sinn unbeweisbar. So müssen sie denn das Kriterium des Legitimen an sich tragen, das im Gegensatz zum Ko nstruktiven die Be-

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